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Thomas Reis
Geburtsdatum 04.10.1973
Alter 52
Nat. Deutschland  Deutschland
Funktion Trainer
Akt. Verein Ludogorets Razgrad

Thomas Reis [ehem. Trainer]

26.10.2022 - 19:04 Uhr
Zeige Ergebnisse 71-80 von 98.
Thomas Reis [ehem. Trainer] |#71
05.09.2023 - 15:12 Uhr
Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei Thomas Reis hin und her gerissen bin.

Ich mag den Typen und finde dass er mit seiner Art gut zum Club passt. Er hat in der vergangenen Saison nach der Winterpause das Maximum aus unserem Team herausgeholt und mit der Mannschaft noch bis kurz vor Schluss an einem Wunder geschnuppert. Das ist etwas was ihm bei mir ein gewisses Maß an Kredit gibt.

Auch sehe ich, dass wir erneut große Veränderungen im Kader hatten und mit vielen neuen natürlich auch Automatismen noch nicht greifen können.

An der Zusammenstellung des Kaders war TR aus meiner Sicht maßgeblich beteiligt und er sollte wissen welche Spieler er bekommen hat und wie er diese einzuschätzen hat. Ich teile nicht die Auffassung, dass der Kader nicht zu ihm passt.

Welche Erkenntnisse habe ich also aus den ersten Spielen mitgenommen.

Spielsystem:
Reis hat aus meiner Sicht wenig gegenüber der Vergangenheit verändert. Betrachtet man sich seine erfolgreichen Zeiten aus Bochum und bei uns in der letzten Saison, kam er immer aus der Position des Underdogs und hat dementsprechend sein System eher defensiv basiert ausgelegt. Die Viererkette und auch alles davor stand eher tief mit der Priorität die Gegner intensiv zu verteidigen. Dabei wurden wenig eigene Chancen kreiert, die aber vergleichsweise gut genutzt wurden.
In dieser Saison scheint er sich dazu berufen zu fühlen, die Rolle des Favoriten mit dominantem Spiel ausfüllen zu wollen. Dafür hat er die gesamte Mannschaft deutlich nach vorne verschoben. Dabei ist unser Anfälligkeit für schnelle Konter mehr als augenfällig geworden und wir sind schlicht nicht in der Lage mehr Tore zu schießen als wir hinten fangen.

Einsatz des Personals:
Nach einer kompletten Vorbereitung mit dem Team hätte ich schon erwartet, dass alle Schlüsselspieler ihre Rollen verstehen und einigermaßen blind ausfüllen können. Statt dessen hat man bei einigen dass Gefühl, dass die Erwartungen sie eher verwirren. Zudem gibt es immer wieder Rochaden auf Positionen, wobei immer wieder auch plötzlich positionsfremde Spieler auftauchen, die die Rolle nicht optimal ausfüllen können. Krassestes Beispiel ist hier die rechte Außenbahn.

Kondition / Verletzungen:
Wir hatten in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungen muskulärer Art zu kämpfen. Insofern würde ich hier unter Thomas Reis keine furchtbare Entwicklung attestieren.
Interessanter finde ich hier schon, dass wir im Vergleich zu den Gegnern bisher in der Tendenz wenig laufen. Ausnahme das Spiel gegen Wiesbaden, die aber eh immer niedrige Laufwerte haben. Trotzdem habe ich oft das Gefühl dass wir konditionell nicht auf der Höhe sind und auch zu oft und zu früh schon Krämpfe auftreten.

Wechsel:
Mit dem In-Game-Coaching habe ich schon etwas Probleme.
Bereits gegen Hamburg hatte das halbe Forum gesehen, dass Cisse überfordert war und vom Platz gemusst hätte. Der Platzverweis hatte sich ein Stück weit abgezeichnet, nur TR hat das überhaupt nicht kommen sehen.
Auch danach gab es immer wieder Wechsel, bei denen bestenfalls nichts kaputtging aber in der Regel ein Bruch ins Spiel kam. Zuletzt hatten die Einwechslungen von Topp und Polter gegen Wiesbaden für mich ein großes Fragezeichen produziert. Siegsicherung wäre da für mich durchaus angebrachter gewesen. Fairerweise muss ich ihm aber natürlich auch zugestehen, dass er mit Murkin und Latza auch fast die Entscheidung eingewechselt hatte.


Vorläufiges Fazit:
Thomas Reis hat schon bewiesen, dass er mit Mannschaften erfolgreich sein kann. In meiner Wahrnehmung war dies jedoch immer in einer Außenseiterposition der Fall. In der aktuellen Erwartungshaltung an eine Favoriten fremdelt er. Er hat durch die deutlich höhere der Positionierung der Mannschaft auf dem Feld aus meiner Sicht die Stärke der stabilen Defensive aufgegeben, ohne jedoch die Offensivleistung nachhaltig zu verbessern.
Ich hoffe, dass er einen Turnaround schafft. Und denke, dass er sich dafür wieder auf eine stabile Defensive fokussieren muss, bei der die Hintermannschaft nicht permanent überlaufen wird. Auch mit 20 hässlichen 1.0 Siegen steigt man auf.
Das Spiel gegen Wiesbaden war in dieser Hinsicht schon nicht verkehrt. Zum Schluss allerdings wieder in Harakiri zu verfallen, hat das wieder zunichte gemacht.

Insgesamt habe ich meine Zweifel ob TR als Trainer eines Aufstiegsfavoriten die beste Lösung ist. Klar ist er mit Bochum bereits aufgestiegen. In der Saison waren die Favoriten allerdings andere Teams und der VFL ist lange eher unter dem Radar geflogen. Für TR könnte es tatsächlich das beste sein, wenn die Erwartungshaltung schnell vom Aufstieg abrückt und er anderen vermeintlichen Topteams hinterherrennen kann.
Thomas Reis [ehem. Trainer] |#72
05.09.2023 - 19:41 Uhr
Zitat von Runaway

Schuld würde ich hier generell als das falsche Wort ansehen. Hechelmann ist der Hauptverantwortliche in Sachen Kaderplanung, aber Knäbel als dessen Vorgesetzter und Reis als der Trainer sind eben mitverantwortlich.

Die Vorstellung, dass Reis überhaupt irgendwas "vorgesetzt" wird halte ich für unrealistisch, in einer vertrauensvollen Arbeitsatmosphäre. Hier im Forum wird das irgendwie immer so dargestellt, dass alle für sich und irgendwie auch gegeneinander arbeiten, damit man irgendwem dem schwarzen Peter zuschieben kann.

In Wahrheit haben doch alle drei dasselbe Ziel und zwar sportlichen Erfolg. Man hat sich für Reis entschieden und wie schon im Winter hat man zusammen den Kader geplant. Jenz und Uronen waren Spieler, die Hechelmann "entdeckt" hatte und Skarke ein Wunschspieler von Reis, Frey war ein Weggefährte von Knäbel.

Da haben sich offensichtlich alle eingebracht und zu keinem Zeitpunkt hatte man das Gefühl, dass Reis da irgendwie unzufrieden war.

Jetzt läuft es nicht und plötzlich soll Reis quasi die Wahl gehabt haben zwischen Baumgartl und zwei Gurken, damit Hechelmann seinen Wunschspieler durchsetzen kann? Wenn Reis sagt, dass Baumgartl die Anforderungen nicht erfüllt und er mit dem nicht arbeiten kann, dann wird der auch nicht geholt. Genauso wie Flick im Winter abgegeben wurde.
Auch die Tatsache, dass man offenbar ohne gestandenen 10er plant, sondern ein 4-3-3 mit zwei Achtern, ist doch wohl eine Entscheidung des Trainers. Die Vorstellung, dass Reis Zulj oder Pantovic fordert, aber nur die Wahl zwischen Tempelmann, Gondorf und Erras bekommt, halte ich einfach nicht für haltbar, wenn man gemeinsam erfolgreich sein will.

Natürlich will man immer das beste und das beste wären wahrscheinlich Skarke, van den Berg und Leitsch gewesen, aber man kann doch nicht verlangen, dass der Sportdirektor immer Alternativen parat haben muss und sich dann beschweren, dass die Alternativen nicht die Wunschspieler sind.

Im Idealfall wäre Baumgartl schneller, aber wenn man an der Mittellinie verteidigt, ist es fast egal, ob man Schnecken oder Geparden in der Innenverteidigung hat, vor allem wenn das Mittelfeld keinen Widerstand leistet.
Der Kader hat Schwächen, aber in den bisherigen Spielen war nicht die individuelle Klasse das Problem, sondern das Zusammenspiel und wenn die Spieler nicht perfekt in das Wunschsystem des Trainers passen, muss der Trainer eben sein Wunschsystem anpassen oder die Konsequenzen tragen.


Es gibt aber auch etwas dazwischen. Es kann auch sein, dass Reis seine Spielerprofile nicht bekommen hat, aber Hechelmann ihm gute Spieler gegeben hat, die in etwa passen und sich beide das zu rosig ausgemalt haben. Dann bleibt es aber dabei, dass Reis seine Spielertypen nicht bekommen hat. Die passenden Spielertypen zu finden ist Aufgabe des Sportdirektors. Dass du Kritik daran direkt wieder als "es gab nicht nur Erras oder Tempelmann" reduzierst ist genauso unsachlich wie das was du anderen vorwirfst. Es hätte auch Baumgartl / Leistner / Heintz sein können, mit denen Hechelmann ankam und Reis sagte "naja gut, passt alles nicht perfekt, aber am ehesten nehme ich Baumgartl, der ist so gut, das kriege ich hin". Sowas halte ich schon für realistisch.

Dass es nicht an der individuellen Qualität lag, das sehe ich anders. Gerade wenn man sich die Gegentore ansieht.

Viel wichtiger ist mir aber: Da du ja von der Zusammensetzung des Kaders überzeugt zu sein scheinst, erkläre mir bitte, wie man aus dem Kader als Trainer etwas gut abgestimmtes bauen kann, was zur Aufgabe passt. Egal was man macht, irgednwas stimmt nie. Und das ist dann Verfehlung der Kaderplanung und macht es schwer das von einem Trainer zu fordern.

Beispiel:

Hoch stehen klappt nicht. Tief stehen geht auch nicht, weil wir ja Spiele häufig gewinnen wollen und die Gegner uns den Ball häufig lassen. Lösung wäre eventuell ein engangiert pressender midblock. Haben wir dafür die Pressingstarken Mittelfeldspieler? Sehe ich nicht.

Andere Variante wäre wie in Wiesbaden ein ruhiger Aufbau. Wie willst du dann den Gegner knacken, gerade wenn du einen weiteren Mittelfeldspieler nach hinten für den Aufbau und Absicherung ziehst. Da brauchst du dann 1 vs 1 Qualität in Mittelfeld und Außen. Die haben wir nicht.

Wierum anderes Problem: Wir haben sehr offensive LVs und einen langsamen LIV. Dazu wenig Qualität auf dem Flügel und viele Spieler, die super als zweite Spitze sind wie Karaman oder Lasme. Also Dreierkette? Ne geht nicht, da wir nur drei profitaugliche IVs haben. Viel zu dünn für eine Dreierkette. Mit Henning von mir aus vier. Auch das ist zu dünn. Und wer soll rechte Schiene machen? Brunner kannst da nicht besetzen. Also Brunner rauslassen oder auch in die IV? Könnt klappen als RIV, aber wer spielt dann rechts? Henning sicher nicht. Kozuki auch nicht. Tempelmann? Ne. Einzig Lasme ginge vielleicht. Allerdings hat der seine Stärken nicht im Flanken, wodurch wir wieder so ausrechenbar wären wie unter Grammozis. Und Defensivarbeit ist auch nicht seins. Heißt: Du musst eigentlich zusammen damit, dass Schallenberg sich im Zentrum nicht alleine wohl fühlt und um Lasmes fehlende defensive Kompetenz auszugleichen einen zweiten Mittelfeldspieler abstellen. Das dürfte im Aufbau gut aussehen mit Kaminski, Baumgartl, Brunner, Schallenberg, Seguin in einem 3+2 Aufbau. Aber dann? Dann haben wir Karaman und Terodde vorne, Ouwejan links und Lasme rechts. Alle nicht besonder spielstark oder gut im 1 vs 1. Wer soll im letzten Drittel also die Chancen kreieren? Alle Last würde auf dem Zehner liegen. Also auf einem 17 jährigen. Das ist auch nicht besonders erfolgsversprechend um stabil und verlässlich viele Spiele zu gewinnen.

Also du siehst: Egal was du machst, es gibt mit diesem Kader nichts, das man so bauen kann, dass man sagt es passt gut zusammen. Das nimmt von Reis nicht die Verantwortung von schlecht auf okay zu gehen. Aber für einen Trainer ist diese Kaderzusammenstellung für mich nahezu unlösbar, wenn das Ziel ist etwas gut passendes auf den Rasen zu kriegen, womit du aufsteigen kannst. Platz 6-9 ist drin aber für alles darüber fehlt mir die Kompatibilität. Egal was du machst, du musst entweder Situationen aufstellen, in denen Spiele gegenseitig ihre Schwächen betonen oder einzelen Spieler auf unpassenden Positonen aufstellen. Und wenn so ein Kader dann das Ergebnis der Kaderplanung ist, dann hat meiner Meinung nach der Sportdirektor keinen guten Job geleistet in diesem Transferfenster. Möglich wäre ein solcher aber gewesen. Auch it den dummen selbst auferlegten Fesseln, das Budget auf drei Jahre aufzuteilen und auf Leihen fast komplett zu verzichten. Ohne Kaufoption soogar ganz.

•     •     •

Seit Geburt 1997 Schalker. Erste Bundesligaspiele in Bochum. Dazu Sympathie für den Club, die Fortuna und Ruhrgebiets- und Traditionsklubs. Top Elf der auf Schalke erlebten Spieler:
Raul Huntelaar
Böhme Lincoln Jones Farfan
Pander Naldo Bordon Rafinha
Fährmann
Bank: Rost, Nastasic, Höwedes, Kobiashvili, Rakitic, Sane, Asamoah, Kuranyi, Sand Trainer: Stevens/Rangnick Manager: Assauer

Dieser Beitrag wurde zuletzt von nibo1904 am 05.09.2023 um 19:43 Uhr bearbeitet
Thomas Reis [ehem. Trainer] |#73
05.09.2023 - 22:01 Uhr
Hier wird ein Hechelmann ständig angegriffen und nahezu als untauglich abgestempelt, weil dieser Reis angeblich nicht dessen Wunschspieler oder zumindest -profile besorgt hat.
Es wird so getan, als ob Thomas Reis Guardiola wäre, dem man jeden Wunsch 1-1 erfüllen müsste. Egal, was sie kosten, egal, wie umsetzbar diese sind. Wir sind der 2. Profi Club für Reis, der bald 50 Jahre wird und der vorher nur einen Club wie Bochum trainiert hat.
Ich will das gar nicht kleinreden und ich finde auch, dass er als Typ sehr gut zum Club passt.
Aber wir können in unserer Situation doch nicht blind jedem Wunsch nachgehen und dann muss ein Trainer wie Reis eben auch mal mit Kompromissen bereit sein.
Ich bin davon überzeugt, dass Knäbel, Hechelmann und Reis immer in einem sehr guten Austausch waren und sind und alle Baustellen und nötige Profile und möglichen spielen durchleuchtet und analysiert haben.
Und Hechelmann hätte Reis garantiert liebend gerne dessen Wunschspieler zur Verfügung gestellt und er Hatte sicherlich gerne 10 Millionen mehr Budget für Transfers zur Verfügung gehabt.
Einem Reis wurde garantiert nicht gegen dessen Willen ein Spieler aufs Auge gedrückt, denn dafür geht es uns finanziell zu schlecht, dass wir uns solche Spielchen erlauben könnten.
Fakt ist für mich, dass er für die 2. Liga einen guten, aber keinen sehr guten oder überragenden - Kader zur. Verfügung gestellt bekommen hat, wo jede Position doppelt besetzt ist, was er auch selbst betont. Gerade wg. dieser doppelten Besetzung war ihm ja ein LV wichtig.
Mit diesem Kader kann man sehr wohl um den Aufstieg mitspielen und diesen auch schaffen, wenn man es als Trainer hinbekommt, den Kader schnell zu einer Einheit zu formen, einen Spirit zu kreieren und taktisch/systematisch einen zum verfügbaren Kader passenden Stil zu vermitteln, wo sich einzelne Spieler individuell und die Mannschaft als solche wohlfühlen.

Bei einem Weltclub wie Ajax Amsterdam hat Mislintat nun 12 Spieler aus aller Herren Länder gekauft. Trainer Maurice Steijn hat nun gesagt, dass er gucken muss, ob er mit den Spielern was anfangen kann und dass Mislintat diese alle alleine geholt hat. Er und auch die Scoutingabteilung hatten keinerlei Mitspracherecht. Der Trainer hatte auch einige Spieler vorgeschlagen, was Mislintat nicht interessierte und der Coach hat keinen einzigen seiner Wunschspieler bekommen.

Bei uns gab es mal bekanntermaßen einen Manager Assauer, den es keinen Sack interessierte, dass ein Rangnick nach dem Abgang von Ailton sagte, dass er dafür wieder einen Spieler mit Tempo brauchen würde, um seine Spielphilosophie umsetzen zu können und er da an Milan Baros denken würde, der natürlich perfekt gepasst hätte.
Aber Assauer war der Meinung, dass ein Trainer mit den Spielern arbeiten müsse, die ihm zur Verfügung gestellt werden. Und so wurde statt eines schnellen Spielers wie zum Beispiel Baros ein Sören Larsen geholt und unser gesamtes Spiel änderte sich. Und zwar zum Nachteil (aber immer noch auf hohem Niveau). Uns fehlte Speed, einem Lincoln fehlte ein Abnehmer für seine Pässe in die Nahtstellen etc.

Und natürlich sind das Beispiele, wie es genau nicht sein sollte. Aber ich bin mir eben auch sicher, dass es bei uns nicht so war bzw. ist.

Uns sind nun mal die Hände extrem gebunden und daher ist es für mich auch richtig, dass wir das Budget strecken, denn das Eigenkapital darf sich in der 2. Liga nicht weiter verschlechtern und es wäre zu riskant, das Budget so auszureizen,dass der Aufstieg diese Saison ein Muss wäre, da wir ansonsten gar keine Konkurrenzfähigkeit mehr in Liga 2 hinbekommen könnten, falls der Aufstieg nicht klappen sollte.

So haben wir wenigstens nahezu die Gewissheit, dass wir selbst bei einem verpassten Aufstieg noch 1-2 mal ohne die ganz großen Probleme und Risiken den Aufstieg mit einem entsprechenden Budget in Angriff nehmen könnten.

Auch dann hat man natürlich keine Garantien, dass es gelingen sollte und mit jedem Jahr 2. Liga wird es immer schwieriger, da man natürlich auch immer unattraktiver wird.

Aber alles auf die Wette sofortigen Wiederaufstieg zu setzen, wie man es vor 2 Jahren gemacht hat, wäre aktuell zu riskant, denn aufgrund der Einnahmen in der letzten Saison und die Transfereinnahmen vor dieser Saison und den für 2. Liga angepassten Verträge haben wir nun eben mein Luft zu atmen als vor 2 Jahren und könnten daher auch die nächsten 1-2 Jahre noch mal den Aufstieg in Angriff nehmen. Jetzt mit Ausreizung des Budgets diesen erzwingen zu wollen, wäre der selbe Mist wie früher die CL Qualifikation erzwingen zu wollen und entsprechende Spieler mit entsprechende Gehälter geholt zu haben.

Der Unterschied ist nur, dass es bei nicht gelungener CL Quali wenigstens noch in die EL ging und die CL Gehälter so etwas aufgegangen werden konnten, da man ja trotzdem Zusatzeinnahmen hatte. Und trotzdem haben uns diese Risiken auf Strecke ruiniert, da Einnahmen und Ausgaben in einem immer größeren Missverhältnis standen.

Wenn wir nun aber alles auf die Karte sofortigen Wiederaufstieg setzen und darauf zocken, haben wir aber eben keinen vergleichbaren EL Puffer, sollten wir das Ziel nicht erreichen.

Dann kommen die großen Probleme nicht erst nach und nach zum Tragen und zum Vorschein, wie es war, sondern sie werden dann sofort sichtbar: Wir werden dann keinen konkurrenzfähigen Kader mehr stellen können, der um den Aufstieg mitspielen können wird.

Und dann ist das Geschrei auch wieder groß und Knäbel/Hechelmann würden noch deutlich mehr angegriffen.

Wenn wir uns frühzeitig unten absetzen sollten und man intern weiterhin der Meinung ist, dass Reis der richtige Coach ist, sollte man an ihm festhalten. Auch wenn der Aufstieg nicht mehr möglich sein sollte. Dann sollte man mit ihm nächste Saison einen neuen Angriff starten.

Aber natürlich nur dann, wenn Reis auch mit den aktuellen Gegebenheiten zeigt und beweist, dass er zu guter Arbeit fähig ist, wenn er nicht seinen Wunschkader hat, wenn es mal nicht so läuft und Kritik aufkommt etc. Denn in solchen Phasen zeigt sich, wer ein guter Trainer ist.

Einfach kann nämlich Jeder!
Thomas Reis [ehem. Trainer] |#74
07.09.2023 - 13:06 Uhr
Zitat von Emschertalbahn
Itakura haben wir u.a. nicht halten können, weil wir anscheinend keinen Folgevertrag hatten, denn das Gehalt musste ja verhandelt werden. Zumindest war es sehr nebulös, was da kommuniziert wurde. Churlinov hätte man halten können, wenn man denn auch gewollt hätte. Aber es wurde gepokert und er war eher wohl ein Nice to have.


Churlinov konnte man nicht halten, weil wir nur für eine ganz geringe Summe die Leihe mit anschließender Kaufverpflichtung verlängern wollten, worauf sich Mislintat verständlicherweise nicht einließ und ihn nur für mindestens 3 Millionen verkaufen wollte. Diese Summe konnten wir aber nicht aufbringen.

Und bei Itakura lag es natürlich auch an dem nicht direkt ausgehandelten Anschlussvertrag,sodass es in Sachen Gehalt etc. noch Unklarheiten gegeben hätte. Aber wir hätten auch schon die per Option verankerte Ablöse nicht zahlen wollen/können, da uns dieser Transfer dann eben extrem eingeschränkt hätte, noch weitere Spieler zu verpflichten, die man aber eben brauchte.

Unterm Strich haben die Leihen also geholfen, ein kurzfristiges Ziel zu erreichen, aber nachhaltig eben nichts positives bewirkt.

Wir mussten deren und andere Positionen neu besetzen, was Geld gekostet hat. Und da diese beiden Spieler nur geliehen waren, haben sie uns keinen Cent Ablöse gebracht, den man in den Umbau hätte garantieren können.

Man muss aber mal davon wegkommen, nur von Jahr zu Jahr zu denken, denn dieses ständige Hinterherhecheln von kurzfristigen Zielen hat uns ja u a. fast ruiniert.

Und dieser Mist fing schon in der Assauer-Ära an, denn der "Popelverein Schalke" (Zitat Assauer) baute sich das seinerzeit modernste und technisch hochtrabendste Stadion Europas und musste entsprechend eine Mannschaft bauen, die von den Ansprüchen her kompatibel zur Arena war. Auch das sagte Rudi seinerzeit und die knapp verpasste Meisterschaft im letzten Parkstadion-Jahr verstärkte diese Ansicht noch. Ab da wurde auf Teufel komm raus dem Titel hinterhergejagt. Koste es, was es wolle.

Und von diesem Treiben hat man sich fast 20 Jahre lang nicht verabschiedet. Minimum CL musste es sein. Aber selbst die CL Teilnahmen sorgten nur dafür, dass sich die Kosten gerade so getragen haben. Um aber überhaupt einen CL würdigen Kader bauen zu können, mussten erstmal Kredite aufgenommen werden, denn UEFA Cup Teilnahmen alleine reichten sicherlich nicht aus, um sich die Möllers, Sands und Mpenzas etc. dieser Welt leisten zu können.

Das hat man aufgrund von Krediten hinbekommen, musste diesen Status aber halten, um die Kader entsprechend finanzieren zu können. Ablösen, Berater Honorare, Handgelder, Gehälter etc.

Verpasste man das Ziel mal, wurde erst recht wieder investiert, um das Ziel im nächsten Anlauf wieder zu erreichen, denn die CL musste es mindestens sein. Und eigentlich ging es Assauer um mehr, denn er wollte gerade nach der Erfahrung von 2001 unbedingt Meister mit Schalke werden.

Und es setzte sich über seine Nachfolger fort. Schalke hatte das Selbstverständnis, mindestens die CL zu erreichen, bestenfalls auch wirklich aussichtsreich um den Titel zu spielen.

Nebenher musste aber auch die Arena Jahr für Jahr abbezahlt werden. Und Schäden an der Arena, wie das kaputte Dach durch den Schnee, kostete dann zusätzlich noch einen zweistelligen Millionenbetrag, weil man nicht entsprechend versichert war.

Alles Geld, was in Steine, aber nicht in Beine investiert werden konnte.

Aber der sportliche Anspruch, auch der der Fans (die sich bei der Frage nach Verantwortlichkeit immer rausnehmen), blieb unverändert.

Und da hätte allen klar sein müssen, intern und extern, dass das auf Dauer nicht gut gehen konnte. Es war schon seit spätestens Arena Eröffnung immer der finanzielle (und sportliche) Druck da, die CL zu erreichen, um das "Spielzeug" Arena + entsprechend qualitativer Mannschaft finanzieren zu können.

Ein Verpassen des Ziels führte also nicht dazu, mal kleinere Brötchen zu backen und zu sagen, dass auch eine Quali für den UEFA Cup ein toller Erfolg wäre und man die Strukturen entsprechend anpasst. Nein, es wurde das nächste Geld auf- und in die Hand genommen, um dem Ziel Meisterschaft - aber wenigstens CL Quali - hinterherzuhecheln.

Diese Einstellung hat sich bei uns über Jahre verfestigt, auch wenn die Ziele, die man kurzfristig erzwingen wollte, in Folge der Fehler der vorherigen knapp 15-20 Jahre sich inzwischen verändert hatten oder haben. Und ich fände es gut, wenn man nun mal wirklich nachhaltig denkt und plant. Und damit meine ich nicht 10 Jahre oder so, denn dafür ist Fußball zu schnelllebig, aber sich in Bezug auf das Ziel Aufstieg einen Plan über 3 Jahre zu erstellen und diesen hoffentlich auch nicht über Bord zu werfen, weil die Fans wieder total ungeduldig werden und Druck machen.
Thomas Reis [ehem. Trainer] |#75
07.09.2023 - 14:21 Uhr
Zitat von Lokonda04

...
Ein Verpassen des Ziels führte also nicht dazu, mal kleinere Brötchen zu backen und zu sagen, dass auch eine Quali für den UEFA Cup ein toller Erfolg wäre und man die Strukturen entsprechend anpasst. Nein, es wurde das nächste Geld auf- und in die Hand genommen, um dem Ziel Meisterschaft - aber wenigstens CL Quali - hinterherzuhecheln.

Diese Einstellung hat sich bei uns über Jahre verfestigt, auch wenn die Ziele, die man kurzfristig erzwingen wollte, in Folge der Fehler der vorherigen knapp 15-20 Jahre sich inzwischen verändert hatten oder haben. Und ich fände es gut, wenn man nun mal wirklich nachhaltig denkt und plant. Und damit meine ich nicht 10 Jahre oder so, denn dafür ist Fußball zu schnelllebig, aber sich in Bezug auf das Ziel Aufstieg einen Plan über 3 Jahre zu erstellen und diesen hoffentlich auch nicht über Bord zu werfen, weil die Fans wieder total ungeduldig werden und Druck machen.


Tolle Aufbereitung, @Lokonda04 - ich fühlte mich bei manchen Passagen in unsere ähnlich dunklen Zeiten zurückversetzt, die nur dadurch etwas abgemildert wurden, dass Anteilsverkäufe das Eigenkapital wieder etwas aufgefrischt haben.

Gruß aus HH und Glück auf
Jottkah1887

•     •     •

Es gibt Dinge, für die es sich lohnt, eine kompromisslose Haltung einzunehmen.
Natur, Familie, Freunde – und Blaufränkisch.

(Website Wachter Wiesler)
Thomas Reis [ehem. Trainer] |#76
13.09.2023 - 20:01 Uhr
Zitat von PeterMeier
Zitat von Leonidas89

Zitat von PeterMeier

Zitat von tuncay04

Ich würde gerne mal auf Schalke sehen das mal man mit einem Trainer durchs Feuer geht.


Das haben wir bei David Wagner gemacht.

Mit David Wagner sind wir obwohl die letzten 16 Ligaspiele der Saison sieglos waren in die nächste Saison gegangen.

Nachdem die neue Saison mit 2 Niederlagen und 11 Gegentoren begonnen hatte gab es dann die verspätete Entlassung.


Der Vergleich hinkt dann doch gewaltig. Wagner hat 16 Spiele lang nicht gewonnen, davon ist Reis noch meilenweit entfernt.


Gefragt war nicht ein Vergleich, sondern dass wir mit einem Trainer durchs Feuer gehen.

Genau das haben wir vor gar nicht allzulanger Zeit bei Wagner gemacht.

Am Ende der Saison sind wir damals abgestiegen.


Erstmal sehe ich persönlich noch kein „Feuer“ durch welches man gehen müsste. Ja, wir haben den Saisonstart in den Sand gesetzt und spielen bisher mehr als bescheiden. A.) Wir wären aber nicht das erste Team, das in die Saison stolpert und am Ende noch um den Aufstieg mitspielt. B.) Ich persönlich gehe lieber in ein zweites Jahr im Unterhaus und baue nachhaltig etwas auf, anstatt wie 21/22 auf Teufel komm raus aufzusteigen und dann direkt wieder abzuschmieren. C.) Hat Reis beim VfL und in der Rückrunde bewiesen, dass er etwas aufbauen kann.

•     •     •

„Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.“

(George Orwell)
Thomas Reis [ehem. Trainer] |#77
16.09.2023 - 22:35 Uhr
2 zu 0,8 expected goals. Nach der 35 bis auf das Gegentor und den Kopfball zum Schluss nichts zugelassen. Vorne Vollgas - nur die Minuten in Überzahl wieder zu wenig gemacht.
Mit Mohr schnell richtig reagiert und scheinbar in der Pause die richtigen Worte gefunden.

Das war nach Rückschlägen ganz schwer. Verletzungstechnisch spielst du ohne deine 3 vermeintlichen Offensiven, du hast Druck auf dem Kessel, bist 0:2 zurück, dein bester Mann und Stammtorhüter verletzt sich und du gibst als Reaktion einfach mal Vollgas? GEil.

Vor Allem GEil, dass sich bei so vielen das Gesicht umgedreht haben muss. Und ich hoffe inständig ins Positive. smile
Thomas Reis [ehem. Trainer] |#78
16.09.2023 - 23:21 Uhr
Nach der ersten halben Stunde, habe ich mich so langsam mit dem Gedanken angefreundet, dass das schon Reis letztes oder vorletztes Spiel sein könnte.
Das war im Spielaufbau katastrophal und auch wenn man jetzt tiefer stand, hatte man wieder keinen Zugriff auf den Gegner und alles wirkte zufallsbasiert.
Klar, das Gegentor fällt so nicht, wenn Mohr keinen solchen Bock schießt, aber die Unordnung und fehlende Abstimmung war nicht Mohrs Schuld.

Was die Mannschaft dann anschließend abgeliefert hat, war spielerisch und kämpferisch um Welten besser. Der Gegner wurde im Mittelfeld angegangen, die Zweikämpfe gesucht und auch der Spielaufbau wirkte deutlich besser organisiert und das ohne Traineransprache.
Nach der Pause sah das dann sogar stellenweise noch besser aus. Tempelmann hat die Dynamik gezeigt, die uns bisher in allen Spielen abging. Kabadayi hat sein Tempo auf der Außenbahn ausgespielt.
Seguin hat aggressiv gepresst.

So muss das aussehen. Hoffentlich war das Spiel der Wendepunkt.

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Thomas Reis [ehem. Trainer] |#79
16.09.2023 - 23:56 Uhr
Ich hoffe man lässt sich in der Analyse nicht von Ergebnissen blenden. Die erste halbe Stunde war gruselig. Da kamen im STT auch schon die Forderungen nach einer sofortigen Trennung auf. Das ist aus meiner Sicht übertrieben und sollte nicht aus der Emotion heraus entschieden werden, aber auch die danach deutliche Verbesserung täuscht nicht darüber hinweg, dass uns defensiv der Zugriff fehlt.

Beim 2:3 kann Magdeburg relativ ungestört aufbauen, kombiniert sich durch und dann kann ein Gegenspieler in lokaler Überzahl auf die letzte Linie zu dribbeln. Diese Löcher in der Zentrale vor der 4er-Kette sind erschreckend und kein Einzelfall. Da fehlt jegliche Präsenz und immer wieder waren dort Gegenspieler blank. Und das unabhängig davon, ob der Gegner umschaltet oder im letzten Drittel über die Außen ins Zentrum ziehen will. So lange wie wir da keinen Zugriff bekommen, wird die Abwehr schwimmen.

Der Sieg heute war ein Beleg für die Mentalität der Mannschaft. Nach dem 0:2 war ich kurz davor auszumachen, weil sich ein Debakel ankündigte und wir hergespielt wurden. Diese Willensleistung, dass noch in einen Sieg zu drehen war enorm, darf aber nicht nötig sein. Mir ist grundsätzlich egal wer die Verbesserung herbeiführt, aber besser muss es werden!
Thomas Reis [ehem. Trainer] |#80
17.09.2023 - 11:01 Uhr
Zitat von twarg

Wir sind dann auch nicht zurückgekommen ins Spiel durch einen Wechsel. Vielmehr waren wir klinisch tot und Magdeburg hat uns mit intensiver Herzmassage zurückgeholt, indem sie das dritte und vierte Tor liegen lassen und uns dann in einem Überheblichkeitsanfall den Anschlusstreffer auflegen.


Wenn das der Maßstab ist kann man auch sagen, dass wir Magdeburg erst die Führung ermöglicht haben und es hätte ohne Mohrs Fehler auch 0:0 ausgehen können. Uns gehörten die ersten Minuten bis zur Unterbrechung, dann wurde Magdeburg etwas besser, aber viel rum kam da auch nicht. Erst nach dem 0:1 ging es richtig los, aber eben bedingt durch Mohrs Fehler.

Wir pressen Magdeburg 2 x hoch und erzielen aus den direkten Ballgewinnen die ersten beiden Tore. Kann eine Ansage von außen gewesen sein, deutlich höher zu schieben. Denn davon hat man die erste halbe Stunde nicht viel gesehen und plötzlich wurde es besser. Außerdem war doch grade der Wechsel Kabadayi/Mohr ein extrem belebendes Element und brachte uns offensiv deutlich mehr in Schwung.

Ich sehe Reis diese Saison auch nicht wirklich positiv, aber grade gestern hat er zumindest nach der schwachen Anfangsphase entsprechend reagiert und unter anderem auch mit dem frühen Wechsel ein Zeichen gesetzt.

•     •     •

Die "7" war magisch, ist magisch und wird auch immer magisch bleiben!
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