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WM 2018

15.05.2018 - 19:27 Uhr
WM 2018 |#11
03.06.2018 - 07:19 Uhr
Zitat von LuLuLu
Zitat von FC_Fuppes

Zitat von Poldi82NRW

Zitat von FC_Fuppes

Zitat von Poldi82NRW

Was für ein einfaches gegentor..hector sieht da auch schlecht aus .

Ja, aber ansonsten kommt alles über kimmichs seite...
Der hat aber auxh mit alaba den besseren Gegenspieler.
Süle und Rüdiger gefallen mir aber auch nicht wirklich.
Gut das Gündogan raus ist, hat mir auch überhaupt nicht gefallen.


Finde alle schwach..da passt von der Aufteilung nix..zweite Halbzeit Spielt uns österreich an die wand..

Unabhängig von dem spiel wird am ende Frankreich oder Spanien weltmeister..

Wie kommst du denn auf Spanien? Die spielen seit Jahren unter ihren Möglichkeiten. Da kommt viel zu wenig und es werden personell total fahrige Entscheidungen getroffen...
MMn mach das Deutschland, Frankreich und Argentinien unter sich aus.

Na ja, das war zwar nur ein Testspiel, da Ende März, aber da hat Spanien die Argentinier 6:1 abgeschossen.
Von Argentinien halt ich tatsächlich nicht mehr viel, wenn auch Spanien derzeit ziemlich stagniert.

Das Problem an der deutschen Elf ist doch, dass wir uns 1) etwas überschätzen und 2) zu viel Bayernmaterial im Kader ist, das zuletzt nicht wirklich durch viel Lust am Fußball aufgefallen ist. Ein blöder Fehler von Hummels und das kann schon das Ende im Viertelfinale bedeuten, zumal wir in der Offensive immer noch nicht so recht wissen, ob wir überhaupt einen haben, der gegen eine Top-Defensive Tore erzielen kann.

Mein aktueller Favorit ist auch Frankreich, knapp vor Spanien und Deutschland. Überraschen werden womöglich Uruguay und Brasilien.

Deutschland und überschätzen.
Gerade um Fußball etwas, was so gut wie nie vorkommt.
Die meisten schimpfen vor einer EM und WM wie schlecht die Mannschaft doch ist und das Jogi keine Ahnung von fussball hat.
Warum denn ein Özil überhaupt in der Startelf ist und und und.
Die dfb elf war schon immer eine Mannschaft, im Gegensatz zu vielen anderen Nationen, ohne eben die großen individuellen Kicker.
Und trotzdem haben wir mit Hummels, Boateng, neuer, Kroos, Müller, Kimmich, mit die besten Spieler ihrer Zunft.
Abwarten und Tee trinken.
Der topfavorit ist für mich eh Frankreich
WM 2018 |#12
03.06.2018 - 20:20 Uhr
Zettis Gruppencheck – Gruppe C

Eine Gruppe, die den Namen Weltmeisterschaft verdient: Die Gruppe C. Drei Kontinente und acht Mentalitäten – mindestens.

Frankreich – der letzte (und einzige) WM-Titel liegt bereits wieder 20 Jahre zurück. Mehr schmerzt aber immer noch die im eigenen Land gegen Portugal verlorene Europameisterschaft von vor zwei Jahren. Unüblicherweise hielt der französische Verband nach dieser Enttäuschung am Trainer fest und er durfte selber einen Neubeginn starten: Didier Deschamps. Als Spieler war er Teil der Welt- und Europameistermannschaft von 1998 und 2000. Seit 2012 lenkt er die Geschicke der französischen Nationalmannschaft und sein Vertrag läuft noch bis zum Ende der EM 2020. Und er hat es nicht einfach, gibt es doch hervorragende Individualisten im Team, die er aber zu einer Mannschaft machen muss. Dazu hat er verschiedene Hierarchien in die Mannschaft eingezogen und er soll mit einer Mischung aus Druck und Vertrauensvorschuss führen. Dann schauen wir uns diesen Kader einmal an: Für mich ist der Sturm so ziemlich der stärkste Mannschaftsteil aller Mannschaften – Dembelé, Giroud, Griezmann und Mbappé (Benzema spielt bei Deschamps seit dreieinhalb Jahren keine Rolle mehr. Deschamps auf die Frage, ob Benzema die WM 2018 am Fernseher verfolgen müsse: „Das werden viele Leuter tun müssen !“) Alleine diese vier Spieler bringen einen Marktwert von 318 Millionen € auf den Platz, das sind 10 Millionen € mehr, als Bayer Leverkusen mit einem 24er Kader. Aber genau dort liegt die schwere Aufgabe Deschamps: Wir forme ich aus solch exzellenten (und teilweise eben auch exzentrischen) Könnern ein Team, eine Mannschaft, eine Einheit ? Wahrscheinlich muss man Franzose sein – wobei Deschamps aus dem französischen Baskenland unweit von Biarritz kommt – um dieses Unterfangen starten zu wollen. In der WM-Qualifikation gelang das schon einmal recht gut und Deschamps konnte das Festhalten an ihm rechtfertigen: Nur zweimal schwächelte die Hahnenelf – beim Heim 0-0 gegen Luxemburg und bei einer 1-2 Niederlage bei dem deutschen Gruppengegner Schweden. Und die Form stimmt weiter: Erst in den letzten Tagen wurde (oh Schmach) Italien mit 3-1 besiegt und Irland mit 2-0. Alles gute Vorzeichen für einen erfolgreichen Angriff auf die Weltmeisterschaft, Fuppes denkt ja scheinbar genau dies. Ich habe zwei Zweifel: Zwar hat die Equipe 50% der Qualifikationsspiele zu Null gespielt, aber die Abwehr schwächelt manchmal, kann die Vereinsleistungen nicht auf die Nationalmannschaft übertragen – da sehe ich einen potenziellen Schwachpunkt. Das nächste Risiko ist oben bereits beschrieben: Viele Stars machen oft nicht eine starke Mannschaft, gerade wenn es mal schwer läuft und diese Momente gibt es ja fast auf jedem Weg zum Triumph einmal. Nicht umsonst war gerade ein Franzose der Vater des Anarchismus – sein politisches Statement: „Kapitalismus ist die Ausbeutung der Schwachen durch die Starken. Kommunismus ist die Ausbeutung der Starken durch die Schwachen.“ Also predigte Pierre-Joseph Proudhon den Anarchismus als politische Lebensform. Wenn die Stars sich ausleben, dann droht genau das im Krisenfall. Für die Geschichtsbücher. Das Eröffnungsspiel der ersten Weltmeisterschaft 1930 bestritt Mexiko gegen Frankreich. Obwohl der französische Keeper sich früh verletzte und ein Feldspieler ins Tor ging (Wechsel gab es noch nicht) gewann Frankreich das allererste WM-Spiel 4-1. Zettis Fazit: Super Kader, mit dem die Equipe sehr weit kommen wird. Der sichere Gruppensieg ist aber erst der Anfang. Danach kann alles gelingen. Oder nichts.

Der fünfte aller Kontinente ist Australien. Und das ist seit 2006, wo es immerhin bis ins Achtelfinale ging, nach 32 Jahren Endrunden-Pause wieder regelmässig dabei. Die Qualifikation der Ozeanier ist dabei traditionell eine Riesenprozedur: Nicht weniger als zehn asiatische Mannschaften musste Australien ausdem Weg räumen ehe es noch zum Showdown mit Honduras kommen musste. 51 Tore erzielten die Socceroos auf diesem Weg, nur zwei weniger als Schalke 04 zum Erringen der Vizemeisterschaft in der diesjährigen Bundesligasaison benötigte. Für mich – wie für viele andere Fussballfans auch – sind die Aussies Sympathieträger, die traditionell ausstrahlen, dass sie ihre Umwelt und vor allem sich selber nicht zu ernst nehmen. Das ist im ernsten Fussballgeschäft unüblich und deshalb so cool. Und wenn dann noch, wie in 2006, Erfolg dazu kommt, dann ist das besonders cool. Doch in diesem Jahr ist Sand im Getriebe. Als Australien im März gegen Kolumbien ein 0-0 rettet, da ist die Freude gross. Dem Kader fehlt die individuelle Klasse, das darf man wohl behaupten ohne den notwendigerweise Reisefreudigen zu nahe zu treten. Die Klubs, in denen die Spieler ihr Geld verdienen verteilen sich fast über die ganze Welt. Zwei Spieler versuchen sich in Deutschland: Mathew Leckie bei Hertha BSC und Robbie Kruse, der sein Chinaexperiment beendet hat, beim VfL Bochum. Wirklich erstklassig sind entweder die Klubs nicht, oder die Australier haben kaum regelmässige Praxis – so kommt die grösste Fraktion aus der zweiten englischen Liga. Hieraus muss der niederländische Trainer Bert van Marwijk eine Mannschaft formen. Van Marwijk qualifizierte sich mit Saudi Arabien für die WM, überwarf sich mit den Scheichs aber und übernahm Australien, das eine Affinität zu niederländischen Trainern zeigt. Das Problem, in dem der Asienmeister 2015 steckt zeigt sich in der Sturmspitze: Tim Cahill, mittlerweile 38 Jahre alt, rettet Australien in der Qualifikation. Er spielt (oder besser sitzt) beim zweitklassigen FC Milwall in England, er schoss aber insgesamt fünf der elf australischen Tore der letzten Weltmeisterschaften. Trifft er auch noch bei dieser (seiner vierten) Endrunde, dann ist er zwar Mitglied in einem kleinen elitären Klub (und zwar mit Pele, Uwe Seeler und Klose), aber wirklich gelingen kann das wohl kaum. Auch hier fehlt es also an Kadertiefe und –qualität. Dies wird Australien wie immer versuchen mit Kampfkraft und einem Crashkurs von van Marwijk in Sachen Defensivqualität zu kompensieren – letzteres insbesondere um peinliche Klatschen zu vermeiden. Demnach könnte nach dem gestrigen Testspielsieg gegen Deutschland Austria mehr Sinn bei der WM machen, als Australia – aber manchmal passieren ja Wunder. Zettis Fazit: Keine Chance auf grosse Sprünge für die sympathischen Socceroos – nach dem letzten Gruppenplatz verstreut sich das Team dann wieder in alle Himmelsrichtungen.

Peru – uff, fussballerisch sagt mir das gar nichts. Ich kenne nur drei aktive peruanische Fussballer: Unsere Kölner Interims-Pizza Claudio Pizarro, der es auch im hohen Alter nicht schaffte uns FCler vor dem Abstieg zu bewahren. Und Paulo Guerrero, der wegen Drogenmissbrauchs gesperrt wurde – und dabei blieb es auch. Damit sind die zwei Peruaner, die ich fussballerisch kenne nicht einmal bei der WM dabei. Der Dritte spielt: Jefferson Farfan, ex Schalker, ist mittlerweile 33-jährig, bei Lokomotive Moskau gelandet. Den kenne ich und er spielt auch. Doch ein Blick zurück: Fussballhistorikern oder alten Säcken, wie mir ist der Name Teofilo Cubillas noch ein Begriff. 1970 und 1978 erzielte er insgesamt zehn Tore für die Inkas, jeweils fünf (was sonst nur noch Thomas Müller und Miroslav Klose gelang). Das waren Zeiten, als in Mexiko das Viertelfinale erreicht wurde. Seit 1982 war Endrundenpause. Nun ist Peru wieder dabei, nach einer Mammutqualifikation gegen neun südamerikanische Teams und zum Finale gegen Neuseeland. Aber da kamen die Rot-Weissen durch. Die Spieler haben Klubs in Amerika – meistens Mexiko und in Europa. Die ganz grossen Namen sucht man aber umsonst, unter den Spielern und den Klubs. Der Vorteil der Südamerikaner dürfte in ihrer gestärkten Mentalität liegen. Die Qualifikation begann desaströs, dann räumte der argentinische Trainer Ricardo Gareca den Kader auf. Achja, und da flog dann noch einer raus, den wir auch kennen: Schlachter Carlos Zambrano ist in Russland auch nicht dabei. Dafür wurden neue und junge Leute eingebaut. Und die haben es geschafft und seitdem Selbstvertrauen. Bei der Copa America wurde Peru mit Ricardo Gareca dann mal gleich Dritter. Auch das brachte Selbstbewusstsein. Dazu sind die Peruaner technisch beschlagen, was gegen die flinken Dänen und Frankreich bitter nötig sein wird. Auf der Gegenseite steht, dass die Abwesenheit von Guerrero ziemlich schwer wiegen wird. Und dann sind da noch Querelen im Verband, die sich zwar nicht auf dem Feld auswirken werden, aber zu einem unrunden Ganzen beitragen. Der alte Verbandspräsident steckte tief im ganzen FIFA-Korruptionsskandal. Danach versuchte der Staat den Verband zu kontrollieren, was wiederum die FIFA auf den Plan rief, die Peru wegen politischer Einflussnahme auf den Sport von der WM ausschliessen wollte. Nun wird aber erst einmal Fussball gespielt. Funfact nebenbei: El Nino, die unberechenbare Erwärmung des Pazifischen Ozeans findet gewöhnlich vor der Küste Perus statt. 1789 soll El Nino Missernten in Europa verursacht haben, die unter anderen Gründen zum Ausbruch der französischen Revolution geführt haben sollen. Wenn das Peru nochmal hinbekommt…. Zettis Fazit: Die derzeitige Schwäche Australiens lässt Peru bei der Wiederkehr auf Rang drei in der Gruppe einlaufen – mehr ist nicht drin.

1992 kamen die Dänen aus dem Nichts und wurden Europameister. Erst sechs Jahre vorher nahm das Land erstmalig an einer WM-Endrunde teil, bisher insgesamt viermal. Dreimal davon überstanden die Dänen dann sogar die Vorrunde, 1998 in Frankreich war sogar erst im Viertelfinale Schluss. Ich finde das Team sympathisch und bringe Dänemark mit athletischem Spiel, guter Technik aber vielleicht am Ende nicht der 100%igen physischen Durchsetzung in Verbindung. Dazu kommt, dass dänische Talente, die ja gar nicht selten vorkommen, von den Anrainerstaaten England oder Deutschland gerne früh weggekauft werden. Daher spielen nur vier Spieler der Nationalelf in der dänischen Liga. Die drei Spieler, die in Deutschland spielen, die bilden für mich so den Durchschnitt der hohen Meinung, die ich auch fussballerisch von unseren Nachbarn durchaus habe: Jannik Vestergard, nordischer Hüne und Leuchtturm von den Ponys – Thomas Delaney, Mittelfeldmotor und Edeltechniker von den Kaffeesäcken und Yussuf Poulsen, ein athletischer, cleverer und leichtfüssiger Stürmer mit Torgefahr – und alle sind in Russland dabei. Die hauptsächliche Verantwortung tragen aber andere: Simon Kjaer kennen wir aus seiner Zeit bei Wolfsburg und nach einer Vereinsodyssee durch Europa organisiert er heute die Abwehr der Dänen. Ihn unterstützen Christian Eriksen von Tottenham (den Schlüsselspieler), Kasper Schmeichel von Leicester und William Kvist (bekannt in Deutschland aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart) von Kopenhagen. Alles bilden – und das ist ein Teil des Erfolgsrezept -ein überaus homogenes und harmonisches Team, das somit auch mit Teamgeist Rückschläge wegstecken kann – we are read, we are white, we are danish dynamite. Zu den Schwächen: Es fehlt ein Goalgetter, den Dänemark früher immer hatte. Alle vorhandenen Knipser sind irgendwie ausser Form, oder wie der Lord Bendtner über den Horizont. Daraus ergibt sich der Blick auf ein Team mit einem erheblichen Leistungsgefälle. Das ganze Konstrukt managen muss ein Norweger – der emotional-väterliche Age Hareide. Er wurde in allen drei skandinavischen Ligen Meister, spielte früher erfolgreich in England, nahm aber noch nie an einem grossen Turnier teil. Wie ist der derzeitige Leistungsstand der Nordmänner einzuschätzen ? Gestern verlor Dänemark gegen den Nachbarn Schweden 0-1, im März gab es gegen Chile ein 0-0 und gegen Panama einen 1-0 Erfolg. Klingt nicht, wie eine Erfolgsstory, aber die Dänen sind eine Turniermannschaft und wissen die psychische Dynamik zu nutzen. Zettis Fazit: Stärker als Peru und Australien sind die Dänen allemal – daher werden sie Gruppenzweiter hinter Frankreich. Viel weiter geht es aber kaum.

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"Der Ball ist der springende Punkt !" (Dettmar Cramer)
SdJ Zwanzigzehn bis Zwanzigdreizehn und Zwanzigachtzehn
WM 2018 |#13
05.06.2018 - 20:53 Uhr
Zettis Gruppencheck – Gruppe D

Und noch einmal quer über den Globus – mit einem Favoriten, aber vielen Fragezeichen.

Argentinien ist zweimal Weltmeister, 14mal Südamerikameister und einmal Confed-Cup-S
ieger. Dazu hat Argentinien mit Messi den vermutlich weltbesten (oder zumindest ehemals) Fussballer im Kader. Da ist Halbfinale doch sicher, oder ? Naja, der letzte Titel der Gauchos ist der Südamerikameister aus dem Jahre ? 1993, meine Herren. Das sind 25 Jahre her. Manche sagen, das sei ein Trauma. Was ist nur passiert ? Auf mich wirkten die Argentinier immer, wie die abgeklärteren Südamerikaner mit einer guten Technik, aber eben auch der Härte, die den „Schönspielern“ der Copacabana fehlt. Aber ich bin eben auch ein alter Sack. Dieses Jahr sieht die argentinische Realität ein wenig anders aus: Mit 1-6 verlieren die Argentinier in der letzten Länderspielpause in Spanien, das ist mehr, als der Schuss vor den Bug, den die Mannschaft immer kurz vor der WM braucht. Immerhin gewann man kurz zuvor 2-0 gegen Italien, wovon man nicht weiss, was es wert ist und vor einer Woche gewannen die Argentinier gegen Haiti mit 4-0 – da weiss man, was es wert ist – nämlich nichts. Achja, die Qualifikation machte man klar, aber erst im letzten von 18 Spielen gegen Ecuador. Das sollte doch einem Ex-Weltmeister nicht passieren. Wo stehen die Gauchos also ? Argentinien versucht erst einmal die Trainer zu wechseln, wie der HSV kurz vor der Relegation. Jorge Sampaoli ist bereits der dritte neue Name an der Linie, seit das Finale 2014 in Maracana verlorenging. Doch nach vorne geht es nicht – ein Trauma ? Nach vorne vielleicht nicht, dafür sieht es vorne gut aus: Die Stürmer spielen alle bei Topclubs in Europa, bei potenziellen Champions League Siegern (ohne Real). Aguero, Higuain, Dybala, Icardi und Messi. Higuain ist offensichtlich in der Albiceleste ein Chancentod und darüber ist er tief frustriert, nur seine Mutter konnte ihn wohl zur WM Teilnahme überreden. Doch sein Spiel soll dem Trainer nicht gefallen, das Spiel Messis soll wiederum einem anderen Spieler zu selbstverliebt sein: Paulo Dybala, der zugab mit der Rolle des Fussballgottes ausBarcelona nicht klarzukommen. So ist der Star der Mannschaft – abseits des Individuums – der Sturm, aber der ist innerlich zerrissen. Eien argentinische Redensart sagt schliesslich: „Ein Argentinier ist ein Italiener, der Spanisch spricht, glaubt ein Franzose zu sein und gern ein Engländer wäre.“ Sagt doch alles. In den anderen Abteilungen brodelt es auch: Im Tor stehen Torhüter, die in ihren Vereinen in England keine Stammspieler sind. Im Mittelfeld fehlt die lenkende Hand, eine Aufgabe, die der manchmal charakterlich eher zurückhaltende Messi nicht übernehmen will oder kann. Und dazu schwächelt die Abwehr: Mascherano, ein weiterer der ganz grossen Namen, ist ab Freitag 34 Jahre alt und das reicht für die chinesische Liga. Uff, nun habe ich ganz schön abgelästert über die Gauchos. Zu ihren Gunsten: Sie haben Fussballgott Messi. Er macht alleine so viel aus, dass er auch den Ruck durch die Mannschaft gehen lassen kann. Dazu kommt seit 2017 Trainer Sampaoli („In der Stunde der Not meiner Heimat, da stehe ich bereit !“) Er ist besessen vom Erfolg, sagt von sich, dass er das Angepasste bekämpft. Und gerade gegen ihn schiesst die Ikone Maradona, mit eigener argentinischer Religion trotz unglaublicher Prolligkeit - aber das ist eine andere Geschichte. Nun, das Obige klingt nicht sehr positiv für den Finalisten aus Brasilien. Zugegeben. Aber vielleicht kann gerade da heraus Grosses entstehen – wenn ich es jemandem gönne, dann den Fleischfressern aus Argentinien. Zettis Fazit: Die Argentinier werden positiv oder negativ überraschen –zunächst aber mal Gruppensieger. Dann werden wir sehen, in welche Richtung die Überraschung weitergeht.

Island hat 340.000 Einwohner und einen kumulierten Markwert, der nah beim nächstjährigen Wert des FC liegen dürfte. Es erinnert an die Hummel, die eigentlich, nach physischen Gesetzen, gar nicht an einer Weltmeisterschaft, teilnehmen darf. Fliegen verboten. Aber das ist der Hummel und Island egal, sie machen es trotzdem. Und so wurden, durch flotte und freche Spielweise, sowie durch die sympathischen Fans Freunde weltweit gewonnen. Und dies ist wiederum eine „self-fulfilling-prophecy“ – mit mehr Erfolg kam mehr Geld und damit konnte Island sich bessere Infrastruktur aufbauen – aber passt das noch zu den wilden Jungs der Europameisterschaft ? Nehmen wir einen Blick auf den Kader: Die Spieler verdienen ihr Geld entweder nicht in Spitzenklubs oder nicht in Spitzenligen. Aus Deutschland kennen wir Gislason von Sandhausen und natürlich Alfred Finnbogason aus Augsburg, der Köln auch schon einmal im Alleingang erschiesst. Das Spiel lenken zwei Spieler aus dem Königreich: Sigursdsson von Everton und Gunnarsson von Cardiff. Doch es gibt eben mentalitätsbedingt keinen Star – das ist die Stärke der Mannschaft. Neben dem Kampfgeist, den das Team zum Kompensieren der spielerischen Fähigkeiten benötigt, neben dem, haben die Isländer sich. Das Kollektiv. So könnte der kollektiv gefangene Wal des 19. Jahrhunderts auch den Argentinier dieser WM mimen – nur um ehrlich zu sein – und das bei aller Euphorie und Sympathie – ich glaube es nicht (mehr). Es fehlt an Kaderbereite und an Klasse. Sicher nicht an der Sympathie von Millionen für das Hunderttausendervolk, aber irgendwann stösst man gegen Grenzen. Und so gross das Abenteuer mit den ersten Pflichtspielen gegen Argentinien und eine Mannschaft aus Afrika auch ist, so sehr denke ich wird das Team aus Island irgendwann dann doch sagen müssen, dass es gegen den Deckel stösst. Am Samstag gab es gegen Norwegen eine Testspielniederlage und im März heftige Niederlagen gegen Peru und Mexiko. Und dann steht eben doch am Ende, dass wir es alle toll finden, wenn der Trainer der Nationalmannschaft Heimir Hallgrimsson die Fans vor dem Spiel im Pub trifft, es aber doch vermutlich nicht mehr zeitgemäss ist. Mag ich jetzt die Isländer nicht mehr ? Doch, sehr. Degradiere ich ihre sportliche Bedeutung ? Nein. Aber die Geschichte zeigte, dass sich diese Euphorien um Überraschungsteams immer wieder legen und sie irgendwann in der Realität aufschlagen müssen. Schade eigentlich. Zettis Fazit: Alle geysirische Begeisterung umsonst, Island wird nach der Gruppenphase nicht mehr in Russland bleiben müssen.

Kroatien – für mich noch ein kleines Phänomen in dieser Gruppe, wenn man die Grösse des Landes mit der fussballerischen Stärke vergleicht. Kroatien ist seit 1992 FIFA-Mitglied und hat seitdem vier von sechs Weltmeisterschaften gespielt. Bei der allerersten Teilnahme 1998 in Frankreich wurde die Kroaten gar Dritter – wir erinnern uns schmerzlich. Doch dieser Schein ist etwas verblasst. Umso mehr hofft man in diesem Jahr wieder zu den alten Qualitäten zurückzukehren, denn nominell ist das Team grossartig besetzt. Allen voran der Champions League Sieger Luka Modric im Mittelfeld neben den Grössen Perisic (Inter) und Raktitic (Barcelona) – wow, was für Namen. Daneben Kovacic und Brozovic, ebenfalls Madrid und Mailand, das bringt schon individuelle Klasse. Der Sturm ist bundesligalastig aufgestellt mit Kramaric (Hoffenheim), Pjaca (Schalke) und Ante Rebic (Frankfurt), dem an guten Tagen in der Bundesliga ja alles zuzutrauen ist. Der Ex-BuLi Routinier und Juve – Stürmer Mandzukic tut ein Übriges. So, nach vorne läuft es also bei den rot-weiss-Gecheckerten. Nur nach hinten gibt es Zweifel. Kann dort die Klasse des Sturms und insbesondere des Mittelfeldes gehalten werden ? Nein. In der Defensive fehlt die Klasse. Tin Jedvaj von Bayer Leverkusen kann es alleine nicht richten, da auch alleine international zu unerfahren. Aber das ist es nicht alleine: 2014 war Kroatiens Trainer ein gewisser Nico Kovac, aber selbst er konnte seine Stars nicht zu einer Einheit formen- die Stars scheinen einzeln mehr zu leisten, als die Summe – das ist dann die Aufgabe der Trainer: Der heisst Zlatko Dalic und war lange in den Emiraten tätig. Nun soll er die Stars bändigen. Zettis Fazit: Die individuelle Klasse muss für einen zweiten Gruppenplatz reichen.

Nigeria ist als eine der wichtigsten Nationen Afrikas seit 1994 bei Weltmisterschaften dabei – und das bei fast allen, ausser beim gekauften Sommermärchen in Deutschland. Und bei drei- von fünf Versuchen kam Nigeria über die Vorrunde hinaus. Alle Profis, bis auf den dritten Torhüter, spielen im Ausland. Aber auch hier muss man sagen: Nicht immer Klubs erster Wahl und das auch nicht immer im Land erster Wahl. Auf den ersten ungerechten Blick scheint es so, dass Nigerias Spieler Opportunitäten einfach wahrnehmen – Russland, Türkei, China, Israel – nigerianische Spieler dieser Klubs werden zum Kader Nigerias gehören. John Obi Mikel gehört dazu, lange Jahre bei Chelsea, folgte er dem opportunistischen Ruf des Geldes nach Tianjin Teda, wo er heute unter Uli Stielike spielt und sicher gute Kohle verdient – und übrigens immerhin einen Platz vor dem Nachbar Quanjian Tianjin mit Big Mo steht. Er ist auch heute noch Dreh- und Angelpunkt des Teams – ausserhalb des Platzes. Zweitwichtigster Adler ist wohl Victor Moses, ebenfalls von Chelsea, der aber in der Nationalmannschaft als Offensiver eingesetzt wird. So kommen die starken Punkte der Mannschaft zum Tragen – gutes Umschaltspiel, Zweikampfstärke – das alles mit einer Mischung aus verschiedenen Talenten ganz unterschiedlicher Klubs. Identifizierte Schwächen gibt es im Tor: Der Stammtorhüter hat Leukämie, der Ersatz sitzt in Spanien bei Erstligaabsteiger La Coruna auf der Bank. Umso überraschender ist, dass diese bunte und sicher nicht ganz einfach Truppe von einem deutsch-französischen Trainer gehandlet wird, der nicht gerade für seine Farbenfroheit bekannt ist: Gernot Rohr. Der 64jährige Mannheimer hat zum Beispiel Gabun und Burkina Faso trainiert – nach einer langen Vereinskarriere, die ihn kurz auch nach Frankfurt führte. Aber er schaffte nach seiner Amtsübernahme 2016 eine Kaderverjüngung der Super Eagles, dies mit dem richtigen Fingerspitzengefühl. Doch die Erwartungen der nigerianischen Fans sind extrem hoch, so dass man abwarten sollte, ob sich sein nun automatisch mit WM Qualifikation bis 2020 verlängerter Vertrag aussitzen lässt. Der Verband ist überhaupt eher emotional gesteuert: Man setzte mit Sehu einen Spieler ein, der gespert war und bekam Punkt und Geld abgezogen – aber da war man schon für Russland durch. Zettis Fazit: Gute Individualisten, aber auch individuelle Schwächen bei den Afrikanern. Sie werden Dritter hinter den Kroaten.

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"Der Ball ist der springende Punkt !" (Dettmar Cramer)
SdJ Zwanzigzehn bis Zwanzigdreizehn und Zwanzigachtzehn
WM 2018 |#14
06.06.2018 - 22:00 Uhr
Zettis Gruppencheck – Gruppe E

Americas gegen Europa – Favorit und Nobody gegen Präzision und Emotion. Interessanter Mix diese Gruppe – mit einem klaren Favoriten

Ist zu Brasilien alles gesagt ? Nein. Ist es nicht. Und wenn doch, dann nochmal: Fünfmal Weltmeister (bämm), achtmal Südamerikameister (bämm) und viermal Confed-Cup-Sieger (bämm). Dritthöchster Marktwert hinter Frankreich und Spanien (bämm). Also alles, wie immer ? Nun ja, 2014 sollte bei der Weltmeisterschaft im eigenen Lande Geschichte geschrieben werden (wie 1950), aber es ging schief (wie 1950). Natürlich sitzt dieser Stachel tief, auch ohne das legendäre Deutschlandspiel – übrigens können Deutschland und Brasilien spätestens im Halbfinale noch aufeinandertreffen, Finale ist ausgeschlossen. Aber schauen wir nochmal darauf, wie die Brasilianer ihre Heim-WM verarbeitet haben: Es ging schlecht los, ganz schlecht. Dunga, Mitte der 90er Jahre mal zwei Jahre als Spieler beim VfB Stuttgart aktiv übernahm im Simmer 2014 von Felipe Scolari. Doch es wurde noch schlimmer, denn selbst bei der Copa America gelang nichts mehr. 2016 dann der erneute Trainerwechsel zu Tite, einem Weggefährten Scolaris, der sehr strukturiert und diszipliniert Taktik und Stil vermitteln konnte. Nicht wenige Brasilianer sähen den korrekten Tite (mit weich gesprochenem zweiten T) gerne in der Politik des noch immer sehr korrupten Brasiliens. Tite verweist aber darauf, dass Fussball eben nicht Politik ist und die Selecao auch nicht zur Politik gebraucht werden kann. Seitdem geht es also aufwärts mit dem Patienten Brasilien. Zwölf Siege in der Qualifikation, daheim wurden mit Peru, Chile, Paraguay und auswärts mit Ecuador gleich vier Mannschaften mit 3-0 geschlagen. Ein souveräner Durchmarsch, der half. Half zu vergessen. Und es ging weiter: Für Deutschland ist die 0-1 Niederlage gegen Brasilien im März in Berlin fast vergessen, nicht so für Brasilien. Es war die Revanche, die Rehabilitation, das Wiedererwachen des Stolzes. Die Selecao ist zurück. Rundumerneuert ist sie nicht gerade, aber sicher gibt es nach vier Jahren beim dritten Trainer Veränderungen. Tite ist sachlich: Mit seinem bevorzugten 4-1-4-1 weicht blind stürmende Euphorie einer defensiv stabil abgesicherten Kreativität, die festen Regeln folgt. Das macht mit Neymar ganz vorne dann auch viel Sinn, wenn er wieder ganz fit wird. Der PSG Rekordkauf verletzte sich und wirkt nicht ganz glücklich dort, wo er gerade ist. Wenn er aber die physische Kurve bekommt, dann kann er der Matchwinner der WM werden. Aber selbst wenn Neymar fehlt, dann kann das Kollektiv ihn auffangen. Das ist ein Geist, der den gerne superstarhörigen Brasilianern erst einmal fremd ist, aber bei Erfolg schnell gefallen wird. Und nun noch was fürs kölsche Hätz: Pedro Geromel hat es in den endgültigen Kader der Selecao geschafft. Der Ex-Kölner spielt bei Porto Alegre und fährt nach Russland – Glückwunsch Fussballgott. Ich würde mal sagen, dass der Turnaround geschafft ist und das Team für Grösseres vorbereitet ist, dank Tite. Die Spieler spielen bei den besten Klubs in Europa (bis auf vier, darunter Geromel – der Vierte nicht-Europäer ist Renato Augusto, der Ex-Leverkusener spielt unter seinem Ex-Trainer Roger Schmidt bei Beijing in China). Karnevalskönig Momos Worte zur Eröffnung des Karnevals sind: „Lasst uns jetzt fröhlich sein !“ – Tite würde hinzufügen: „Aber bitte mit Struktur !“ Zettis Fazit: Einer der Titelfavoriten, der in der Gruppe nicht gross gefordert werden wird – Gruppensieg.

Die Schweiz ist etwas anders, als Brasilien. Etwas. Während die Brasilianer beispielsweise nur einen Fussballnamen annehmen, haben unsere Nachbarn Vor- und Zunamen, die teilweise gar nicht nach Schweiz klingen. Intelligent integriert also und daraus eine Nati zusammengestellt, die jetzt bereits zum vierten Mal in Folge an der WM Endrunde teilnimmt. Dabei verdienen gleich zehn Schweizer ihr Geld in der Bundesliga, davon sogar vier in Mönchengladbach (darunter Shooting Star Zakaria). Damit spielen auch sechs Spieler im Kader bei einer Borussia, was neulateinisch für Preussen steht –was wiederum uns Rheinländern (also den Richtigen, denen vom Rhein) ein Graus ist. Aber zurück in die Alpen: Die Schweiz ist trotz einer im europäischen Vergleich – sagen wir mal – zweitklassigen Liga in schöner Regelmässigkeit bei den 32 weltweit besten Teams dabei. In der Qualifikation erledigte man nicht die Grössen des europäischen Fussballs, aber man setzte sich im Playoff gegen die unangenehmen Nordiren durch (wenn auch knapp und danke eines unverdienten Elfmeters in Belfast). Die Stärke liegt in der Organisation und im aufeinander abgestimmt Sein. Dafür ist seit der WM in Brasilien, als er Ottmar Hitzfeld folgte, Vladimir Petkovic als Trainer verantwortlich. Der aus Bosnien stammende 54-Jährige hat es seit 2014 geschafft das Team konstant weiter zu verbessern. Dies macht er neben der Fussballexpertise mit viel Menschenkenntnis, denn Petkovic war früher Sozialarbeiter, spricht sieben Sprachen. Die Schwächen der Genossen liegen in der Offensive, wo entweder lange Verletzungen (Embolo) oder Formschwächen (Josip Drmic) bremsen. So hat man so ein Lala-Gefühl bei den Schweizern, ich weiss nicht so recht, wo ich dran bin. Schauen wir mal auf die Vorbereitung seit März (und da wird es spannend): Im März in Griechenland 1-0 gewonnen, Panama 6-0 geputzt und gegen Spanien vor drei Tagen ein 1-1 ertrotzt. Nun geht es am Freitag noch gegen die Japaner. Beeindruckende Bilanz. Die Schweiz ist übrigens stolz die Welthauptstadt des Sports zu sein: Hier sind 47 internationale Sportverbände ansässig, darunter auch die FIFA mit immerhin 208 Mitgliedern. Und das unsere Nachbar nun doch keine so freudlose und unhumorige Nation sind, das zeigt, dass hier Absinth, LSD und die Milchschokolade erfunden wurde. Zettis Fazit: Hin- und hergerissen, aber ich glaube sie werden Gruppenzweiter und schaffen wieder einmal das Achtelfinale.

Costa Rica ist spätestens seit 2002 Dauergast bei der Endrunde, in 2014 schafften sie es sogar sensationell bis ins Viertelfinale (fast vergessen). Was passierte damals ? Die Ticos setzten sich in einer Gruppe mit Italien, England und Uruguay durch scheiterten ungeschlagen im Viertelfinal an den Niederlanden. Costa Rica ist nach dem Lebensqualität und Zukunftsfähigkeitsindex der New Economics Foundation einer der glücklichsten Länder weltweit. Dazu hat Costa Rica die relativ gesehen grösste Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen. Aber ist das hier nicht ein Fussballforum ? Ja, richtig und es geht um die WM. Und Costa Rica hat die anteilig grösste Population von Faultieren. Kann Costa Rica diesen riesigen Fussballerfolg von 2014 wiederholen ? Wird sicher schwierig werden. Die Kernkönner des Teams spielen in Iberien: Navas – der Torwart aus Madrid, Ruiz – der Mittelfeldlenker aus Lissabon und Borges – der Intelligente vom spanischen Absteiger La Coruna in Galizien. Ansonsten spielen sechs Spieler in Nordamerika, meist in der MLS. Somit verteilen sich die Spieler über die ganze Welt, was den Trainer Oscar Ramirez im April zu einer Reise um dieselbige veranlasste um sicherzustellen, dass seine Lieben auch direkt nach Beendigung des Ligaalltages in die Heimat zur WM Vorbereitung kommen. Das nahm Borges so ernst, dass er La Coruna bereits vor dem letzten Spieltag angesichts des fest stehenden Abstieges verliess. Das Team kennt sich viele Jahre – meist seit 2014 bereits - und das ist auch eine grosse Stärke des Kaders. Doch niemand wird jünger, das ist Fakt und Risiko. In des Trainers Oscar Ramirez 1,65Meter Körpergrösse steck mehr, als man ihm zutrauen würde. Der diplomatisch bescheidene und beherrscht wirkende Ramirez hat sich an verschiedenen Stationen seiner Karriere durchkämpfen müssen. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum er sein Heil aus einer starken Defensive sucht anstatt mit Hurra-Fussball ins Verderben zu laufen. Zettis Fazit: Ich mache denselben Fehler, wie jedesmal und traue den Costa Ricanern nicht viel zu – Platz vier in der Gruppe und nun sage ich mal: Hoffentlich habe ich Unrecht.

Serbiens grösster Erfolg liegt nicht weniger als 88 Jahre zurück: Halbfinale bei der ersten WM 1930 in Uruguay. Seitdem geht Serbien durch eine wechselvolle Fussballgeschichte und nahm bereits unter fünf verschiedenen Namen an Fussballweltmeisterschaften teil. Vielleicht ist auch das eine meiner möglichen Vorurteile gegen das Team: Es gilt ein wenig die Unstetigkeit der Geschichte zu besiegen. Die Serben wirken leidenschaftlich, dies aber mit allen Vor- und Nachteilen. Das zeigt auch die Geschichte des derzeitigen Nationaltrainers: Serbien setzte sich souverän gegen namhafte Mannschaften in der Qualifikation durch, so auch gegen Weltmeisterbesieger Österreich, aber den erfolgreichen Trainer Slavoljub Muslin entliess der Verband dann wegen Querelen um die Kaderbesetzung. Seltsam nach einem solchen Erfolg, aber eben auch wieder etwas unstet. Der Neue ist ein alter Bekannter, der auf mich schon immer positiv wirkte: Mladen Kristajic, ex-Bremer und Schalker. Mittlerweile ist er 44 Jahre alt und war Co-Trainer der Elf, bringt aber eigene Ideen ein bei der Besetzung des Kapitäns etwa oder der Formation. Der Kader Serbiens verteilt sich arbeitstäglich über Europa. Vier Profis spielen in Deutschland, gehören aber mit Jovic, Kostic, Veljkovic und Gacinovic nicht zu den Superstars der Bundesliga. Matic und Tadic (das sind nicht die bayrischen Tatortkommmissare) von Manchester und Southampton sind die Schlüsselspieler der Serben – kreativ und offensiv. Wie es sich für emotionale Offensivexperten gehört ist das Sorgenkind die Defensive – wegen des Alters der Protagonisten. Und nochmal Emotion: Bei Rückstand fällt das Team (was in dieser Quali nicht geschah) gerne einmal auseinander – was besonders gegen die Selecao böse enden könnte. Zettis Fazit: Ist scheinbar alles emotional sehr aufgeladen, was Krstajic in den Griff bekommen kann. Aber mehr als Platz drei traue ich den Serben nicht zu.

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"Der Ball ist der springende Punkt !" (Dettmar Cramer)
SdJ Zwanzigzehn bis Zwanzigdreizehn und Zwanzigachtzehn

Dieser Beitrag wurde zuletzt von zettikowski am 06.06.2018 um 22:02 Uhr bearbeitet
WM 2018 |#15
09.06.2018 - 14:27 Uhr
Zitat von Mr Ripley
Zitat von KSKChris

Zitat von subby1973

Zitat von totti1010

Zitat von Mr Ripley







Pfiffe für Gündogan ist jetzt auch eher so 'meeeeh'.


Ich finde es so grausam


Irgendwann sollte es mal gut sein, er hat sich zu der Sache geäußert und entschuldigt, damit sollte es vorbei sein. Hoffe bei der WM werden die nicht auch ausgepfiffen.

Edith: Das super Publikum( Hexxenkessel) sollte besser mal die Mannschaft anfeuern statt zu Pfeifen.


Ich sehe das ein wenig anders, da ich die Entschuldigungen und Erklärungen, so häufig so jetzt auch stattgefunden haben, als nicht glaubwürdig empfinde. Ein Foto und ein signiertes Trikot mit dem Satz "Für meinen Präsidenten" hingegen ist eindeutig und offenbart doch den Menschen, seine Gesinnung und Werte doch recht eindeutig. Der Versuch des Zurückrudern gegen einen sich heftig ergießenden Stroms ist doch lediglich der verzweifelte Versuch die eigene Haut zu retten. Oder glaubt jemand ernsthaft, Gündogan (von Özil wollen wir mal gar nicht erst anfangen) steht nicht zu 100% hinter der Politik, dem Werte- und Menschenrechtsverständnis von Erdogan? Sich unwissend und derart naiv vor den Karren spannen zu lassen? Nein, do blöd kann nun wirklich niemand sein. Schon gar kein Fußballprofi unserer Zeit. Daher sind seine Bekenntnisse zu unseren Werten, unserer Kultur, dem Grundgesetz für mich nichts als leere Worthülsen. Da kann Löw noch tausend mal sagen, es müsse irgendwann mal gut sein. Nein, das darf es eigentlich nicht.


Ist ein komplexes Thema und ich habe da ein ungutes Gefühl, weil mir es ein wenig so vorkommt, dass sich die in D nicht zu kleine Fraktion, welche die Gündogans, Özils und Boatengs nicht in der NM sehen wollen, nun legitimiert fühlen, ihrem Hass freien Lauf zu lassen.

Es wurde ja nicht nur bei jedem Ballkontakt gepfiffen, sondern gar ein Foul bejubelt. Das ist schon heftig.

Und: Wieso ignorieren diese Gutmenschen dann nicht das Länderspiel gegen Saudi Arabien. Ein Land, welches von seinen Menschenrechten nicht weit entfernt von Gündogans Türkei stehen dürfte?


@KSKChris

Ich habe ja schon einmal geschrieben, dass ich einen türkischstämmigen Kumpel habe. Ich kenne natürlich deutlich mehr Menschen mit türkischen Wurzeln. Mir haben mittlerweile 2-3 erklärt, dass die Bedeutung in der Türkischen Sprache von Mein Präsident ein ganz anderer ist, man auch wohl sagt mein Bäcker, mein Lehrer, mein Metzger, mein Auto, mein Herr oder zu wildfremden mein Onkel, mein Bruder, meine Schwester. Es ist wohl einfach eine Höflichkeitsfloskel, die zur Sprache gehört, also auch ein grammatikalisches Ding.
Und wenn Erdogan eine Widmung haben wollte, dann hätte man danach auch nicht viel anderes schreiben können. Hätten die beiden Trump getroffen und ihm eine Widmung auf türkisch geschrieben, wäre wohl das gleiche rausgekommen.
Anderes Problem soll angeblich sein, dass beide sehr viel Familie in der Türkei haben, eine Absage hätte danach Erdogan beleidigt, was er mit Repressalien gegen die Familien hätte bestrafen können. Das sagt auch meine Cousine, die seit 5 Jahren ein Deutsches Unternehmen in Istanbul vertritt. Sie ist auch einigermaßen der türkischen Sprache mächtig und sagt, dass die Deutschen Medien anscheinend bewusst nicht auf die wahre Bedeutung des Satzes eingehen, weil Hass mehr Zeitungen verkauft als Aufklärung. Zudem sollen Teile Özils Familie Anhänger der Gülen Bewegung gewesen sein, mehrere Angehörige schon Probleme mit den Behörden bekommen haben. Ein Lehrer aus der Family soll sogar seinen Job verloren haben. Özil habe angeblich auch darüber mit Erdogan geredet, dass sein Angehöriger wieder in den Dienst aufgenommen wird. Wenn das so stimmt, was soll er dann machen? Jeder Schritt gegen Erdogan bedeutet noch mehr Probleme für die Familie. Also wenn man das Verdrehen der Bedeutung und das Familiending nimmt, dann hätte ich genau wie die beiden gehandelt. Sollen die das öffentlich verkünden, damit man Erdogan verstimmt, der sich darauf ganz sicher rächen wird? Übrigens soll Emre Can Kurde sein, damit wäre auch das geklärt.

Ich werde allerdings das Gefühl nicht los, dass das Treffen vielen als Ausrede dient , um den eh schon verhassten Türken ordentlich eins überzubraten. Seltsam, plötzlich spielen alle Revolutionäre.

Aber, wir machen skrupellos Geschäfte mit China, Saudi-Arabien oder anderen kriminellen Nationen, alles Länder, die bekanntermaßen die Menschenrechte noch konsequenter mit Füßen treten als die Türken. Meine Cousine sagt da beispielsweise, dass die Türkei in vielen Bereichen moderner und humaner als Deutschland ist, wir hier aber davon nichts mitbekommen, was auch gewollt ist.

Was ist also wichtiger? Ein Trikot mit einer Widmung, deren Bedeutung wir verdreht haben sollen, oder wöchentlich zig hunderte getötet Uiguren in China oder Regimegegner in Saudi-Arabien, von engen Partnern Deutschlands, deren Gräueltaten uns nicht zu jucken scheinen? Warum?

Ich kann zudem den Großteil der Türken gut leiden. Das sind herzliche und warmherzige Menschen, die sehr loyal sind. Ich mag aber Özil nicht, aber was nichts mit seiner Identität zu tun hat.

Mir reicht reicht es seit Wochen, was in Deutschland deswegen los ist. Dafür schäme ich mich sogar.
WM 2018 |#16
09.06.2018 - 19:40 Uhr
Zitat von ghan12

Quelle: m.spiegel.de
Ilkay Gündogan wird ausgepfiffen, Mesut Özil macht sich rar. Doch die Vorwürfe gegen die beiden Spieler sind scheinheilig. Der Kern des würdelosen Spektakels ist Rassismus.
So sieht's nämlich aus Leute. Wir haben ein Problem in diesem Land und wenn man es anspricht kommt meist der Vorwurf der Rassismus Keule. Meinetwegen muss man das Treffen nicht gut finden, aber wer jetzt pfeift steht in einer Reihe mit den Rechten.


Das ist definitiv so! Ich persönlich finde es zwar auch nicht okay, wenn sich ein deutscher Nationalspieler etwas tut, was als Sympathiebekundung für einen Diktator gewertet werden muss (Gleiches gilt auf für Ex-Kanzler), das pfeifen ist zu 95% aber kein Protest gegen diesen Aspekt. Es geht der breiten braunen Masse vor allem darum, dass sich ein Deutscher Nationalspieler noch zu der Heimat seiner Vorfahren verbunden fühlt. Letzteres ist völlig okay.

Letztlich haben Gündogan und Özil tatsächlich sowohl der Mannschaft als auch unserem Land einen Bärendienst erwiesen. Allein dafür gehören sie aus der Mannschaft geschmissen. Das wäre aber jetzt die fatalste Reaktion auf das Thema da es den braunen Brüdern in unserer Mitte noch mehr Aufwind verleihen würde. Dann lieber die WM opfern.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Valen am 09.06.2018 um 19:40 Uhr bearbeitet
WM 2018 |#17
09.06.2018 - 20:13 Uhr
Zettis Gruppencheck – Gruppe G

Bei Weinen nennt man eine gute Mischung aus unterschiedlichen Rebsorten in einem Wein ein Cuvee. Diese Gruppe gäbe als Wein einen interessanten Geschmack, mit zwei Nobodys, dem ewigen Geheimfavoriten und dem Mutterland ist der Geschmack vielseitig, ein interessantes Cuvee.

Eigentlich müsste Mario Götze Belgier sein. Ist Euch auch schon einmal aufgefallen, dass er fast exakt so aussieht, wie Tim von Tim und Struppi ? Und dieses Cartoon-Pärchen zählt neben dem Männeken Pis, was dieser Tage wieder in allen möglichen Fussballoutfits in die Brüsseler Innenstadt strullen wird, zu den Exportschlagern unserer westlichen Nachbarn. So übrigens auch deren Nationalspieler: Die gesamten Kaderspieler – bis auf einen (Leander Dendoncker, RSC Anderlecht) - spielen im Ausland, derer wiederum 13 auf der britischen Insel. Gerade diese Konstellation birgt Brisanz: Zwölf Belgier spielen eben in der Premier League (einer in Schottland) und sie treffen in der Gruppe auf *trommelwirbel: England. Gerade dieses Spiel sollte man sich nicht entgehen lassen (für mich neben dem inneriberischen Spiel der Hit der Gruppenphase). Das ist mal wieder so eine typische Situation, die die Engländer mit einer Mischung aus Nervosität und erwarteter Ehrfurcht vor den Müttern aller Fussballer versieben könnten. Und übrigens müssen wir mit einem Vorurteil, einer Fehlformulierung nun aufräumen: Belgien, ein Geheimfavorit – das ist Quatsch. Belgien ist das Team mit dem sechstwertvollsten Kader (dabei liegen Eden Hazard und de Bruyne über 100 Millionen € Marktwert, Lukaku knapp darunter). Belgien zählt zu den Teams, die das Viertelfinale nach Papierform erreichen müssen und das Halbfinale erreichen können. Sie liegen in der FIFA Weltrangliste an dritter Stelle und da kann man nur den Hut sehr tief ziehen, dass dieses 12 Millionen-Einwohner-Land immer wieder Topfussballer hervorbringt. Durch die – zugegebenermassen nicht brüllend starke Quali-Gruppe ging man in den zehn Spielen mit neun Siegen und einem Unentschieden, sowie mit 43-6 Toren heraus, mehr als vier Tore im Schnitt pro Spiel also. Zugegebenermassen waren mit Gibraltar und Estland zwei Schiessbuden dabei, aber wenn der Sturm eben mit Batshuayi, zweimal Hazard, Mertens und Lukaku besetzt ist, aus einem Mittelfeld von Kevin de Bruyne mit Chancen versorgt wird, dann klappt das auch mit Tore schiessen. Dabei ist die von Trainer Roberto Martinez angeordnete Taktik sehr flexibel – was nicht willkürlich heisst, sondern eben der Situation angepasst wird. Nur Kevin de Bruyne werden fast alle möglichen Freiheiten zugestanden um die hungrigen Goalgetter optimal zu füttern. Dazu wird er im Mittelfeld durch Tottenhams Dembele und von Big Mos Mannschaftskollegen aus Tianjin, Axel Witsel, abgesichert. Genug geschwärmt: Ein gewisses Risiko ist die Erwartung, die bringt Druck mit. Wahrscheinlich ist Belgien mit diesem Kader in einer historisch vielversprechenden Position und alle erwarten, dass geliefert wird. Dazu laboriert der mittlerweile 32-jährige Abwehrchef Vincent Kompany immer wieder an Verletzungen, ein Grund mehr, dass der vermutlich schwächste Mannschaftsteil immer mal wieder Lücken zeigt. Eine belgische Redensart sagt: „Es macht keinen Sinn, auf Dein Schiff zu warten, es sei denn, Du hast selber eins losgeschickt.“ Wenn ich das Sprichwort richtig verstehe (was man bei der belgischen Mentalität nie ganz sagen kann, ich weiss worüber ich rede) heisst es nicht nur, dass Du nicht auf ein Paket von Amazon warten musst, wenn Du nichts bestellt hast. Es heisst auch, dass Du die Dinge selber in die Hand nehmen musst, vorbereitet sein musst und dann Hoffnung und Geduld Früchte trägt. Wenn Letzteres die Message ist, dann sehe ich eine saustarke WM auf unsere Nachbarn zukommen und freue mich auf offensivstarken Fussball. Zettis Fazit: Nominell saustarke Belgier können sich vor dem Viertelfinal nur selber aus dem Rennen nehmen. Der Gruppensieg entscheidet sich im Spiel gegen England – und ich glaube, dass Belgien es schafft.

Erste WM-Teilnahme für Panama in Russland. Und man muss vermutlich sehr realistisch sein: Es wird kaum grosse Erfolge zu feiern geben, was auch an der schweren gruppe mit zwei möglichen Titelaspiranten liegt. Ein wenig Länderkunde: Panama erhielt erst 1903 seine Unabhängigkeit von Kolumbien, an dass es auch im Süden grenzt. Danach stand Panama stark unter US-amerikanischem Einfluss, die US-Army begann den Bau des Panamakanals 1904. Erst 1999 erhielt Panama die Eigenkontrolle über den Kanal, er ist die Quelle des relativen Reichtums des Landes – in Lateinamerika liegt Panama nicht nur wirtschaftlich an der Spitze, sondern beherbergt auch die zufriedensten Menschen, die sich bisher – und nun zurück zum Sport – überwiegend für Baseball und Boxen interessierten. Nun kommt also – nach einer sagen wir glücklichen Qualifikation, Fussball dazu. Chancen hat Panama genau genommen keine. Der Marktwert des Teams ist mit wenig mehr als acht Millionen Euro der geringste aller WM-Teilnehmer. In Europa spielt einer der Keeper, Jaime Penedo, bei Dinamo Bukarest (hat aber in Guatemala und der MLS schon Titel geholt), Abwehrspieler Erick Davis in der Slowakei, Mittelfeldspieler Ricardo Avila im Lande des Gruppengegners Belgien bei KAA Gent und Stürmer Ismael Diaz bei Spaniens Erstligaabsteiger La Coruna. Der grosse Rest der Profis spielt in Amerika – so auch Roman Torres – der obwohl Abwehrspieler bei den Seattle Sounders für Panama die Tore schoss, die Punkte brachten. Die Nachwuchsarbeit in Panama, einem Land mit 3,8 Millionen Einwohnern, scheint dagegen gut zu funktionieren: Seit 2003 blickt Panama auf fünf WM-Teilnahmen seiner U20. Und vielleicht ist ja dann doch etwas drin, für Panama, wenn alles anders läuft, als man denkt. Kann es in Panama – Frage: In welche Himmelsrichtung fährt man beim Durchqueren des Panamakanals vom Pazifik kommend in Richtung Atlantik ? Nun, nach Westen, denn der Kanal verläuft genau an der schlanken Stelle Mittelamerikas, wo sich der Pazifik im Südosten des Kanals und der Atlantik im Nordwesten des Kanals befindet. Und so gibt es manchmal Antworten auf Fragen, die jeden überraschen – vielleicht findet Panamas Team die auch. Zettis Fazit: Platz vier in der Gruppe. Punto.

„Wenn der Vollmond dich liebt, dann musst Du Dir keine Sorgen um die Sterne machen.“, so ein tunesisches Sprichwort. Wenn man die Endrunde der WM 2018 als den Vollmond sieht, dann ist es alles, was jetzt kommt Nebensache. So kann Tunesien es sehen, so werden es aber viele der fast 12 Millionen Tunesier es nicht sehen wollen. Sie wollen mehr. Übrigens gaben die Tunesier Afrika seinen Namen: Die Afrigi waren ein Berberclan, der im nördlichen Tunesien lebte. Nachdem die Römer sie unterworfen hatten nutzten sie den namen, wenn sie die Region meinten, die sich dann auf den ganzen Kontinent ausweitete. Tunesien gewann überraschenderweise das allererste Spiel seiner insgesamt vier Teilnahmen bei einer WM-Endrunde 1978 in Argentinien gegen Mexiko mit 3-1. Danach gewann Tunesien keines der elf folgenden Spiele der WM Teilnahmen in Frankreich, Japan und Deutschland. Dazwischen wurde Tunesien Afrikameister in 2004, aber das ist dann auch die Erfolgsbilanz der Nordafrikaner. Zwar spielen die Klubs Tunesiens auf dem afrikanischen Kontinent durchaus eine Rolle, aber irgendwie ist seit vielen Jahren nichts mehr sportlich Aufsehenerregendes gelungen – bis 2018 die WM-Teilnahme. Die Euphorie ist, wie in arabischen Ländern üblich, riesig – die Erwartungen ebenso. Leider, und das ist bei den sportlich schwächeren Ländern ein noch grösseres Leider, schlug das Verletzungspech zu: Offensivmann Youssef Msakni, spielt in Qatar, riss sich das Kreuzband – mit Yassine Khenissi von Esperance Tunis fällt ein weiterer Angreifer verletzungsbedingt aus. Er spielt wie fünf Spieler des WM Kaders in der tunesischen Liga, der Rest der Legionäre verdienen ihr Geld meist in Saudi Arabien oder dem französisch sprechenden Europa. Zu den Stärken der Tunesier zählt sicher ihre Technik und die eins-zu-eins Situationen, die sie suchen. Dazu gibt es Hoffnung durch die gewonnen Vorbereitungsspiele gegen Costa Rica und den Iran. Schwächen gibt es bei den Torhütern und in der vorderen Spitze, wo einfach das Talent ausgeht. Das kann dann auch ein erfahrener Trainer nicht regeln: Nabil Maaloul übernahm das Traineramt vor gut einem Jahr vom damals 70 –jährigen Polen Henryk Kasperczak, der eine grosse Erfahrung im afrikanischen Fussball (ehemaliger Nationaltrainer der Elfenbeinküste, Marokkos, Malis und des Senegals) hat. Maaloul ist mit dem tunesischen Fussball verwachsen, obwohl er auch auf eine zweijährige Fussballerfahrung bei Hannover 96 (1989 bis 1991) zurückblicken kann. Er muss dann auch mit dem gewaltigen Druck umgehen, der aus Tunesien und seiner Bevölkerung kommen wird. Ein wenig kurios ist Tunesiens Länderspielbilanz gegen Deutschland, die nach meiner Schätzung keiner diesjährigen Aktualisierung bedürfen wird: Bei drei Spielen siegte Deutschland im Confederations Cup 2005 gegen den damals amtierenden Afrikameister in Deutschland mit 3-0 – ansonsten gab es zwei Unentschieden – ein 1-1 und das aus deutscher Sicht als amtierender Weltmeister schlimme 0-0 in der Vorrunde der WM 1978 in Argentinien. Zettis Fazit: Tunesiens zweiter Sieg bei einer WM Endrunde wird gegen Panama kommen. Dadurch Gruppenplatz drei.

England. Im Frühmittelalter wurde in England eine frühe Art des heutigen Fußballspiels praktiziert, bei der Bewohner zweier Ortschaften versuchten, einen Ball durch das gegnerische Stadttor zu befördern. Das „Spielfeld“ lag immer zwischen zwei Orten, selbst wenn diese mehrere Kilometer auseinanderlagen. Klingt wie im Spiel zeitweise implizierte Orientierungsschwierigkeit, was ja durchaus bei England heute noch Bestand hat. 1848 verfassten Studenten der Uni Cambridge erste Fussballregeln, 1857 wurde mit dem FC Sheffield der erste Fussballklub gegründet und ab 1863 entwarf dann die FA (Football Association) erste verbindliche und feste Fussballregeln. England – Mutterland. 1872 gab es das erste Länderspiel zwischen England und Schottland. Trotzdem verzichtete England auf die Teilnahme bei der ersten Fussballweltmeisterschaft 1930 in Uruguay – aus Kostengründen. Erst ab 1950 war England dabei. Diese bisherige Information ist Bonusmaterial, nur um zu zeigen, dass wir England wirklich den heutigen Fussball zu verdanken haben. Die damit verbundene Dankbarkeit und Ehrfurcht scheint England heute noch von allen fussballspielenden Ländern (und das sind fast alle) einfordern zu wollen, die haben sich aber weiterentwickelt. Daher gibt es keinen Geschichtsbonus für England mehr und damit scheint die Inselnation zu hadern. Die Geschichte der Erfolge England als Nationalteam seit 1966 ist eine Geschichte der Enttäuschungen (aus Sicht der Engländer), Blamagen (aus neutraler Sicht) und des amüsierten Kopfschüttelns (aus Sicht der Gegner). Irgendwie meint man ja immer, dass dieses Leiden einmal zu Ende gehen MUSS. Aber jüngste Kopfschüttelbeispiele der WM 2014 oder der Schlappe gegen Island bei der EM 2016 zeigen, dass es immer noch schlimmer gehen kann. Eigentlich hat das Nationalteam des Landes mit der vielleicht weltweit stärksten Liga so etwas nicht verdient. Aber mittlerweile ist eben auch eine Erwartungshaltung erreicht, die es in 2018 nur leichter machen können. Was beim kurzen Blick auf den Kader auffällt: Es ist der einzige Kader, bei dem alle Nationalspieler im eigenen Land spielen. Zur Mannschaft: Die Tottenham-Fraktion und nicht Spieler der grossen Fünf (Arsenal, Chelsea, ManU, ManCity und Liverpool) prägen die Nationalelf. Kane, gerade bei Tottenham verlängert, alleine bietet Show. Er wird unterstützt von den Zulieferern Dier, Alli, Trippier und Rose. Mit Jordan Pickford von Everton scheint zudem das Torwartproblem der Vergangenheit anzugehören (Deutschland hat eher mit Karius den Inselvirus selber erhalten). Aber das ist alles solide, keine Zauberei ist zu erwarten. Die Fans sind schon traditionell frustriert und basteln in Wembley Papierflieger, lassen sie aufs Feld fliegen, um ihrem Protest stumm Ausdruck zu verleihen. Das ganze Gefüge versucht Gareth Southgate zusammen zu halten, der seinen Vorgänger Sam Allardyce ablöste, der sich über die FA Bosse öffentlich lustig machte. Zettis Fazit: Zum zweiten Gruppenplatz reicht es für die Traditionalisten.

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"Der Ball ist der springende Punkt !" (Dettmar Cramer)
SdJ Zwanzigzehn bis Zwanzigdreizehn und Zwanzigachtzehn
WM 2018 |#18
10.06.2018 - 10:42 Uhr
Zettis Gruppencheck – Gruppe H

Und noch ein letztes Mal um die ganze Welt in Gruppe H, Südamerika, Asien, Afrika und Europa. Diese Gruppe hat für mich Potenzial für Überraschungen.

Polens grosse Fussballjahre lagen in den 70ern und 80ern, also noch in kommunistischen Zeiten. Meine ersten Fussballerinnerungen reichen zur WM 1974 (ja, ja ihr junges Gemüse) zurück und da spielte Polen eine grossartige Endrunde mit der unvergessenen Wasserschlacht gegen Deutschland. Seit der Wende und dem Ende des Sozialismus in Europa qualifizierte sich Polen nur noch für zwei Endrunden und schied bei diesen (2002 und 2006) jeweils in der Vorrunde aus. Auch der Vereinsfussball in Polen –immerhin einem Land mit knapp 40 Millionen Einwohnern – bleibt irgendwie unter seinen Möglichkeiten, den Möglichkeiten, die dem Land seine wirklich hervorragenden Spieler eigentlich geben müssten. Sechs Spieler des Kaders spielen in der polnischen Liga (darunter zwei bei Gornik Zabrze, dem Heimatklub von FC-Abgang Pawel Olkowski), vier in der Bundesliga. Darunter ist natürlich auch der grosse Star, Kapitän, Goalgetter und Hoffnungsträger Robert Lewandowski. Während er seine Zukunft bei seinem Klub Bayern München noch offen lässt, wird er in den nächsten Wochen bei der WM Vollgas geben. Aber neben ihm haben sich wichtige Zuarbeiter etabliert – muss ja auch, denn der Ball muss ja zu ihm hin. Das hat in der Qualifikation famos funktioniert, Lewandowskis 16 Tore in 10 Qualifikationsspielen sind Rekord. Die Bälle nach vorne bringen zunächst aus der Abwehr Kamil Glik (AS Monaco), dann durchs defensive Mittelfeld Grzegorz Krychowiak (West Bromwich Albion), kreativ wird es ab Arkadiusz Milik und Piotr Zielinski (beide SSC Neapel), wobei Milik verletzungsbedingt noch aufholen muss. Das alles führt im Ergebnis zu einer sehr guten Offensivtruppe, die viele Tore schiessen kann, da der Zug zum Tor schnörkellos ist. Was vorne läuft stottert hinten. Die Abwehr – unter anderem mit Dortmunds Lukasz Piszcek – schwächelt doch manchmal. In der Qualifikation gab es auch gegen schwache Gegner (z.B. Armenien, Kasachstan, Montenegro) immer wieder Gegentore. Dies zeigen auch die letzten Testergebnisse: Im März verloren unsere Nachbarn gegen Nigeria mit 0-1, schlugen Südkorea vier Tage später mit 3-2 und testeten am Freitag gegen Chile 2-2. Zu Null wäre zwar Trainer Adam Nawalkas favorisierte Version, klappt aber nicht so richtig. Nawalka ist seit 2013 Nationaltrainer und spielt seine zweite WM – als Spieler war er 20-jährig 1978 in Argentinien dabei. Er verbrachte die Mitte seines Lebens in den USA als Manager ausserhalb des Fussballs, ehe er nach einer erfolgreichen Tätigkeit in Zabrze von der Legende und Verbandsboss Zbigniew Boniek zu Polens Nationalcoach gemacht wurde. Zettis Fazit: In der extrem engen Gruppe wird Polen Zweiter, dank der guten Offensivleistung. Danach ist im Achtelfinale aber Schluss.

Der Senegal nimmt erst zum zweiten Mal an einer WM Endrunde teil. 2002 in Japan blieben die Westafrikaner sogar ungeschlagen in allen fünf Spielen – zumindest in der regulären Spielzeit. Diesen sehr guten Eindruck möchten die Senegalesen endlich wiederholen, was in dieser Gruppe gelingen kann. Letztlich nach Hause mussten sie wegen eines Golden Goals des Gegners aus der Türkei. Wobei nach Hause bei allen Spielern (bis auf den dritten Torwart) Europa und hier meist England heisst. Das gesamte senegalesische Mittelfeld spielt auf der Insel, dies aber bei Mittelfeldklubs aus Everton oder West Ham. Auf dem Weg nach Russland schaltete der Senegal immerhin Südafrika und Burkina Faso aus. Offensiver Schlüsselspieler ist mit Sadio Mané ein Spieler, der bei Liverpool von Jürgen Klopp betreut wird. Defensiv ist Kalidou Koulibaly vom SSC Neapel als Innenverteidiger das Mass (1,95 Meter Körpergrösse) der Dinge. Ich assoziiere mit der senegalesischen Spielweise in den letzten Erinnerungswinkeln noch immer eine schnelle, technische, aber auch robust wuchtige Art – als einen Fussball mit dem man gerade die Polen und Japaner vermutlich unter Druck bringen kann. Und mental ist die Mannschaft eh stark, insbesondere seit Aliou Cissé als Trainer das Sagen hat, was seit 2015 der Fall ist. Der 42 Jährige (jüngster Trainer bei der WM, auf Nationalelf-Niveau gibt es noch keinen Jugendwahn) hat sich beharrlich nach oben gearbeitet und geniesst in der Mannschaft einen guten Ruf. Er war Teil der erfolgreichen Mannschaft von 2002, die bis ins Viertelfinale kam, spielte selber in Frankreich und England. Das klingt alles eher gut, schauen wir doch einmal auf die Performance dieses Jahres: Bei zwei Spielen im März gab es ein enttäuschendes 1-1 gegen Usbekistan und ein 0-0 gegen Bosnien-Herzegovina – schwache Vorstellungen. In der unmittelbaren Vorbereitung Ende Mai/Anfang Juni spielte man gegen Fussballzwerg Luxemburg 0-0 und verlor am Freitag gegen Kroatien 1-2, wobei Salif Sané (noch Hannover 96), den Cissé bisher nicht weit oben auf der Liste hatte, spielte. Das ist ein schwacher Track Record in 2018, Peanuts also – und der Senegal ist auch unter den grössten Erdnussproduzenten der Welt. Daraus lässt sich wiederum leicht Nitroglycerin herstellen, was die Löwen als robuste Einheit wohl brauchen, um in dieser asugeglichenen Gruppe zu bestehen. Zettis Fazit: Die schlechten Testspiele sind nicht gerade hoffnungsfördernd – das wird in dieser Gruppe nur Platz drei oder vier.

Kolumbien ist auf dem Weg vom Drogendschungel zum Vorzeigeland zu werden und da möchte der Fussball nicht hinten anstehen. Und Superstar James spekuliert bereits, dass das Halbfinale oder das Final doch drin sein könnte. „Wäre doch gut.“, sagt der Mittelfeldmann von Bayern München und Torschützenkönig der WM 2014 mit sechs Treffern. Warum diese zunächst etwas unrealistisch erscheinenden Ziele durchaus doch Basis haben könnten, dafür sorgt der argentinische Trainer José Pekerman. Er liess bereits 2014 aufhorchen, als die Kolumbianer ins Viertelfinale kamen, dann spielte er mit der Mannschaft 2015 und 2016 die Copa America und hat damit vielen Trainerkollegen etwas voraus: Er spielt mit einer eingeschworenen Truppe bereits das vierte grosse Turnier hintereinander. Pekerman gilt als nicht sehr empathisch, eher trocken und nüchtern, was dem Kolumbianer an sich nicht so liegt – aber eben in der Fussballwelt offenbar Erfolg hat. So bringt er seine mit Stars gespickte Mannschaft im schon traditionellen 4-2-3-1 aus einer soliden Abwehr heraus. Die Mannschaft spielt insgesamt betont defensiv, was sich auch in einer nicht allzu grossen Torausbeute in der Qualifikation manifestierte. Dafür sichern Ospina vom FC Arsenal im Tor, Davinson Sanchez von Tottenham, Yerri Mina vom FC Barcelona und Santiago Arlas vom PSV Eindhoven als bekannte Namen hinten ab. Offensiv machen eben James und Monacos Falcao, sowie natürlich Juves Cuadrado ordentlich Betrieb. Bei den Namen eigentlich verwunderlich, dass nicht mehr Tore fallen. Die aktuelle Leistungsfähigkeit gibt Anlass zur Hoffnung: Im März besiegte man die Franzosen mi 3-2, vier Tage später gab es in England ein 0-0 gegen Australien. Vor zehn Tagen gab es dann noch ein wenig berauschendes 0-0 gegen Ägypten in Bergamo. Weiterhin gilt, dass Kolumbien unter Pekerman noch nie ein Spiel gegen eine Mannschaft aus Europa verlor. Nun kommt es auf Polen an – im Viertelfinale könnten die Gegner dann England oder Belgien heissen. Doch wenn es nach James geht, dann hält Pekermans Serie lebenslang, denn nach der WM wird der 68-Jährige wohl zurücktreten. Zettis Fazit: Kolumbien wird zwar Gruppensieger, aber im Achtelfinale ist diesmal Schluss.

Japans Fussballgeschichte bei WM Endrunden beginnt erst 1998, seit dann nahm man aber an allen fünf Endrundenturnieren teil. Dabei sprang zweimal ein Sprung aus der Gruppenphase heraus – 2002 im eigenen Land und 2010. Nach dem Gesetz der Serie müsste Japan damit den Sprung ins Achtelfinale dieses Jahr schaffen, aber schauen wir uns das mal an: In der Qualifikation wurde gegen neun Teams in zwei Phasen gespielt. Die Bilanz gegen die asiatisch-ozeanischen Schwergewichte fällt durchwachsen aus: Ein Sieg und eine Niederlage gegen Saudi Arabien, sowie die Vereinigten arabischen Emirate und ein Sieg und ein Unentschieden gegen die Socceroosaus Australien. In der unmittelbaren Vorbereitung gab es jeweils 0-2 Niederlagen gegen Ghana und die Schweiz. Im März setzte es eine Schlappe gegen die Ukraine und ein mageres 1-1 gegen Mali. Danach zog der japanische Verband die Reissleine und schickte Vahid Halilhodzic zurück in seine Heimat. Am 9. April übernahm der 63 Jährige Akira Nishino, mit einem Vertrag bis zum Ende der WM – eine Übergangslösung ? Übermorgen versuchen sich die Japaner dann noch gegen Paraguay, was aber eine negative Länderspielbilanz 2018 auch nicht mehr gross aufhellen kann. Immerhin sieben japanische Nationalspieler verdienen ihr Geld in Deutschland, darunter natürlich bis zum 30.06. auch noch Yuya Osako vom FC, für den der FC dann auch noch für die Vorrunde Abstellungsgebühren erhält. Shinji Kagawa von Borussia Dortmund möchte auch eine Saison zum Vergessen vergessen machen in Russland. Aber wie soll das geschehen ? Unter dem neuen Trainer wird wiederum der Frankfurter Kapitän Makoto Hasebe als zentraler Dreh- und Angelpunkt dienen. Vom Trainerwechsel profitieren könnte Keisuke Honda, der unter dem alten Trainer keine grosse Rolle mehr spielte, sich beim AC Mailand nicht durchsetzen konnte und auch beim aktuellen Arbeitgeber in Mexiko nicht regelmässig spielt. Insgesamt hat die Mannschaft Erfahrung bereits aus 2014, als man aber sieglos in der Gruppenphase als Tabellenletzter ausschied. Eine Kernfrage dürfte die Spielweise werden: Halihodzic liess europäisch direkt spielen mit Zweikämpfen – Nishino ist ein Fan von Tiki-Taka, was aber trainiert werden muss und dazu wird die Zeit fehlen. Generell ist den gewöhnlicherweise technisch brillianten Japanern diese anspruchsvolle Taktik zuzutrauen, aber dann müssten die Samurai Blue extrem flink lernen. Dazu kommen zwei grosse, traditionelle und auch im japanischer Physis und Psyche liegende Nachteile: Technisch stark und gut ausgebildet sind die Japaner physisch traditionell schwach und tuen sich gegen robuste Mittelfeldspieler und Verteidiger schwer. Da die japanische Tugend und der neue Trainer das Kollektiv in den Vordergrund stellen, fehlt eben häufig auch mal der eine Spieler, der Verantwortung und Spiel an sich reisst und die Führung übernimmt. Und selbst wenn das physisch ginge, die Psyche der Japaner gibt einen CR7 oder einen Ibrahimovic kaum her. Zettis Fazit: Anders als das Gesetz der Serie sagt: Schluss in der Gruppenphase wegen fehlender Form und dem Vakuum zwischen unterschiedlichen Spielsystemen.

So, das war Zettis WM Vorschau. Ist etwas mehr geworden, aber ich habe selber einiges gelernt und freue mich nun auf die WM – viel Spass.

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"Der Ball ist der springende Punkt !" (Dettmar Cramer)
SdJ Zwanzigzehn bis Zwanzigdreizehn und Zwanzigachtzehn
WM 2018 |#19
10.06.2018 - 18:02 Uhr
Zitat von Geissboeckchen


Der Mann meiner Mutter hat es heute morgen mal ganz gut beschrieben: "Zwei Vorbilder unserer gesamten Jugend haben vorgemacht, dass man eine Diktatur mit teils sehr fragwürdigen Entscheidungen für gut heißen und unterstützen kann." Der Satz hat sich bei mir tatsächlich eingebrannt, denn irgendwo stimmt diese Aussage. Gerade die deutschen Werte sind seit vielen Jahren andere und dementsprechend ist ein solches Verhalten natürlich nicht gut zu heißen, wenn man für die deutsche Nationalmannschaft spielt.



Das ist scheinheilig!!!

Ich war gerade in der Südstadt beim Straßenfest, da haben sich hauptsächlich Deutsche aus der Mitte der Gesellschaft besoffen, zwischen Kindern. Was sind wir für Vorbilder, wenn wir vor Kleinkindern öffentlich uns betrinken?

Gestern habe ich mich mit 3 Freunden in die Haare bekommen, einer Italiener, zwei Deutsche. Die haben erst auch von Vorbildern usw gesprochen. Umso länger der Abend ging, desto härter wurde der Ton. Irgendwann hieß es, Türken passen nicht nach Deutschland, weil sie sich nicht anpassen würden, Schmarotzer wären. Da wären die Italiener anders.
Echt???

Ich: Enzo, dein Vater lebt seit 55 Jahren in Deutschland, er spricht kaum Deutsch, er hat ein sexistisches Bild von Deutschen Frauen und lässt die krassesten Sprüche über Schwarze vom Stapel. Deine Mama hat nichts zu melden.
Enzo: Kann man nicht vergleichen, Türken sind Moslem, wir Katholisch. Wir müssen zusammenhalten.

Die beiden Deutschen haben ihm in allen Belangen zugestimmt. Und über den Barbesitzer, in dessen Bar wir waren, auch schlimm abgezogen, dass er nur Deutsche Frauen flachlegen würde, über Drogenverkauf sich sein Leben finanziert.

Ich habe die darauf aufgeklärt, dass Amir der Mitbesitzer der Bar, Iranischer Kurde ist (Ist das gleiche, kam darauf) und ihm und seiner Familie in ganz NRW zig Immobilien gehören, mehrere Lokale, die auch Geld mit Autohäusern machen usw.

Darauf kam nur noch schei...e bei denen raus, Enzo war der schlimmste, der hat den Bunga Bunga Präsident gefeiert, der mit der Mafia Geschäfte macht....

Wir haben ein großes Rassismusproblem in Deutschland. Wir müssen endlich die Handbremse ziehen, denn es geht schon lange nicht mehr um dieses blöde Bild.

Ich stehe jetzt voll hinter Gündogan, er hat sich erklärt, sich entschuldigt und seinen Respekt bekundet. Mehr kann man nicht machen, aber trotzdem halten sich die Leute damit auf.

Ist mir zu billig, wie die Begründung des Mannes von deiner Mutter. Jetzt wird jedes Kind ein Bild mit Erdogan machen oder was?

Leute, der Rassismus steigert sich immer mehr in diesem Land, wir stehen in großen Teilen auf der Seite von Nazis. Es geht nur um Fußball, irgendwann reicht es auch mal
WM 2018 |#20
11.06.2018 - 09:16 Uhr
Zitat von Benuzerkonto
Zitat von ghan12

Zitat von Geissboeckchen

Zitat von Benuzerkonto

Zitat von Geissboeckchen

Der Mann meiner Mutter hat es heute morgen mal ganz gut beschrieben: "Zwei Vorbilder unserer gesamten Jugend haben vorgemacht, dass man eine Diktatur mit teils sehr fragwürdigen Entscheidungen für gut heißen und unterstützen kann." Der Satz hat sich bei mir tatsächlich eingebrannt, denn irgendwo stimmt diese Aussage. Gerade die deutschen Werte sind seit vielen Jahren andere und dementsprechend ist ein solches Verhalten natürlich nicht gut zu heißen, wenn man für die deutsche Nationalmannschaft spielt.


Ist mir zu billig, wie die Begründung des Mannes von deiner Mutter. Jetzt wird jedes Kind ein Bild mit Erdogan machen oder was?


Ich gehe mal nur darauf ein, da der Rest des Kommentars nicht wirklich zu meiner Grundaussage passt, wie ich finde.

Es geht mir doch nicht darum, dass jetzt jeder nen Bild mit Erdogan macht. Das können die Leute, die es gut finden, in der Türkei sehr gerne machen.

Mir geht es darum, dass Özil und Gündogan damit ein eindeutiges, politisches Zeichen gesetzt haben. Und das Zeichen heißt: Die Politik, die "Mein Präsident" (egal ob man das jetzt in der Türkei so sagen muss oder nicht) macht, ist vollkommen "normal" und ich unterstütze das mit meiner Anwesenheit. Um nichts anderes geht es mir.

Und da kann ich nur nochmal sagen: Wir sprechen immer davon, dass die Stars Vorbilder für unsere Jugend sind. Somit haben zwei Stars ein in meinen Augen komplett falsches Zeichen gesetzt --> Und hier spreche ich jetzt erstmal nur für mich. Und ich kann garantieren: Ich habe garantiert nichts gegen Ausländer.


Dass es durchaus Leute gibt die die Sachlage differenzierter sehen ist ja klar, aber mor persönlich passen zwei Sachen nicht.

1. Größtenteils, und da bin ich fest von überzeugt, pfeiffen Leute die sowieso schon immer ungern die Türken im deutschen Trikot gesehen haben. Kann mir auch keiner erzählen, dass die sich wirklich intensiv mit der türkischen Politik auseinander gesetzt haben.

2. Selbst die Leute die es versuchen differenziert zu sehen, gehen einfach mal davon aus, dass Erdogan ein Diktator ist. Ist ja auch kein Wunder bei der ganzen Hetze in den letzten Jahren. Ich mag Erdogan auch nicht sonderlich und die Türkei hat definitiv große Probleme, aber Erdogan würde mehrfach demokratisch gewählt. Ich erlebe, z.B. über Facebook , wie Leute krass gegen Erdogan schießen und weiterhin völlig frei in der Türkei leben.

Das Problem in der Türkei ist nicht nur Erdogan, sondern sitzt viel tiefer. Ein deutlich jüngeres und viel politischeres Volk als Deutschland. Höhere Quote von ungebildeten Menschen, welche schneller zu fanatisieren sind und und und...

Ungerechtigkeiten, Folter, inhaftierte Journalisten, Todesstrafe gegen einen gewählten Ministerpräsidenten!, und vieles mehr gab es in der Türkei schon vor Erdogan. Hat aber kaum jemanden in Europa interessiert, also warum jetzt?

Ich behaupte nicht die Antwort zu kennen, aber wenn in den nächsten 10 Jahren ein Völkerrechtswidriger ( wie alle Kriege in den letzten 20 Jahren) Krieg gegen die Türkei geführt werden sollte, dann würde ich mich nicht wundern. Denn da ist ja ein Diktator und der muss weg. Nicht wahr?


Genau so sehe ich das auch. Es wird nicht lange dauern, dann bombardieren wir die Türkei, allerdings haben die die zweitgrößte Armee der Welt, dann schwappt der Krieg rüber auf Griechenland, Armenien usw.

Noch einmal, es geht nur um die WM, die beiden Jungs haben ihre Lektion gelernt, jetzt heißt es im Stadion klare Kante gegen Rechts zeigen.

Auch wenn ich kein gutes Gefühl dieses Jahr habe, ich will trotzdem Weltmeister werden. Wenn die Fans jetzt zeigen, dass sie komplett hinter dieser Mannschaft stehen, kann das ihr einen Schub geben.

Ich bin stolz auf uns Kölner, wir sind weltoffen und herzlich, zeigen wir denen mal wie Support geht


Du hast so viel Ahnung von Politik wie von Fußball. Bist Du Dir sicher, dass die türkischen Streitkräfte größer sind als bspw. die Streitkräfte von Russland, China, Nordkorea und den USA? Und dann gibt es noch die Schlagkraft, die es zu beachten gilt. Die Türkei hat eine hohe Anzahl aktiver Bediensteter. Allerdings gibt es andere Streitkräfte, die ihr technologisch himmelweit überlegen sind. Danach kann man natürlich noch die Bündnispartnerschaften analysieren, geopolitische Erwägungen, usw. Aber du bes ne kölsche Jung und alle anderen sind eh Eierköppe, ne? Wenig Ahnung, aber viel davon.

Natürlich gibt es viele Trittbrettfahrer, die sich jetzt bemüßigt sehen Özil und Gündogan auszupfeifen, weil sie die Türken ohnehin nie in der Nationalelf haben wollten. Özil ist diesbezüglich schon lange Thema. Stichwort Hymne. Aus dieser Beobachtung heraus nun aber allen Pfeifern eine rechtsextreme oder rassistische Attitüde zu unterstellen ist einerseits kurzsichtig und andererseits Teil dieser gesellschaftlichen Verhärtung. Die Leute sind nicht nur davon angewidert, dass Typen wie Özil und Gündogan in Freiheit und Wohlstand leben und zugleich das autoritäre Regime unterstützen, dass für viele Türken in der Türkei, aber auch in Europa eine Zumutung ist. Die Leute sind genervt davon, dass jegliche Empörung daran für rechts gehalten wird. Dass man ein Rechter oder Rassist ist, wenn man meint, dass man Özil oder Gündogan jetzt nicht mehr im Dress des DFB sehen wolle. Dass die Debatte mit einem PR-Besuch von Steinmeier aufgelöst werden sollte. Dass Löw die Debatte abschneiden wollte. Dass Fragen über Löws Rolle (Berater usw.) offen bleiben. Dass sie sich nicht gehört fühlen. Es zeigt eben auf einer weiteren Ebene die Verfremdung von Eliten und Volk.

Ich fände es reizend, wenn wir mal zum eigentlichen Thema zurückkehren könnten: Fußball.
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