U21-Nationalspieler im Interview
Trotz null Premier-League-Minuten: Ex-KSC-Profi Weiß hält Burnley für „die beste Entscheidung“
©IMAGO
Dieser Artikel erschien bei Transfermarkt erstmals am 21.11.2025
Max Weiß wechselte im Sommer für 4 Millionen Euro vom Karlsruher SC zum FC Burnley in die Premier League. Der U21-Nationalkeeper ist die Nummer zwei hinter Martin Dúbravka und sammelte seine Einsätze in den Pokalwettbewerben. Im Transfermarkt-Interview spricht der 21 Jahre alte Torhüter über den langfristigen Plan beim FC Burnley, wie er sich in einer talentierten deutschen Torwart-Generation beweisen will und warum Erling Haaland „surreal“ ist.
Nach einigen Monaten in England ist Weiß ohne Einsatz in der Premier League, was der ehemalige KSC-Keeper gelassen sieht. „Das war der Plan, dass ich hier erst einmal weniger spiele. Es ist ein sehr großer Schritt von der 2. Bundesliga in die Premier League ist – vor allem was das Tempo, die Körperlichkeit und die Qualität der Spieler angeht. Das ist eine ganz andere Nummer und ich habe ein paar Wochen gebraucht, um mich zu akklimatisieren und die Geschwindigkeit zu adaptieren“, erklärt er. Spielzeit sammelte Weiß im EFL Cup gegen Derby County (2:1) und Cardiff City (1:2). „Meine beiden Einsätze im Pokal waren aus persönlicher Sicht ganz gut, haben Spaß gemacht und mir geholfen. Im Winter startet der FA Cup und dann habe ich im Optimalfall die Chance, noch ein paar Spiele zu sammeln. Bis dahin geht es darum, mich im Training so gut wie möglich zu entwickeln, anzupassen und bereit zu sein, falls etwas passiert, um meine Chance zu nutzen.“
Genau wie Weiß kam auch der 36-jährige Dúbravka, der am Montag mit der Slowakei 0:6 gegen das DFB-Team verloren hat, im Sommer zum Aufsteiger. Von Trainer Scott Parker erhielt er auch aufgrund seiner Erfahrung von 173 Premier-League-Partien mit Newcastle United den Vorzug. „Wenn man von der 2. Bundesliga in die Premier League wechselt, dann ist es abzusehen, dass man nicht direkt die planmäßige Nummer eins ist. Natürlich wäre das mein Wunsch gewesen, aber es ist auch verständlich. Mit Martin Dúbravka haben wir einen richtig guten Keeper, der menschlich top ist und mir viel hilft. Wir profitieren im gesamten Torwartteam voneinander. Der Plan ist, dass ich mich langfristig verbessere, aufgebaut werde und dann meine Chance nutze, sobald sie kommt.“
Weiß ist glücklich, dass er mit dem erfahrenen Slowaken zusammenarbeiten kann und zieht seine Vorteile daraus. „Er hat eine unfassbare Ruhe. Er lässt sich nichts anmerken. Wenn er den Ball rausschlägt, dann schlägt er den Ball raus und steht hinter dieser Entscheidung – ohne jede Diskussion. Davon kann ich mir als junger Torwart einiges abschauen. Man merkt die Erfahrung mit seinen 36 Jahren, er ist top drauf und nimmt junge Spieler an die Hand. Das ist sehr bewundernswert“, beschreibt der deutsche U21-Nationalspieler Dúbravka, der seit 2018 in England unter Vertrag steht.
Der Wechsel zum FC Burnley war für Weiß mit einer großen Veränderung verbunden, denn beim KSC verpasste er 2024/25 nicht eine Minute – damit gehörte er zu den Dauerbrennern der 2. Bundesliga. In allen 37 möglichen Partien stand er auf dem Platz, obwohl es sein erstes Jahr als Stammkeeper war. „Spielzeit ist ein sehr wichtiges Thema. Deshalb war mein letztes Jahr in Karlsruhe besonders gut, weil ich in allen Pflichtspielen auf dem Platz stand, was mir in meiner Entwicklung sehr geholfen hat. Dann kommt logischerweise die Frage auf, wie es weitergeht. Ich wollte den nächsten Schritt gehen. Auch wenn ich im ersten Moment weniger Spielzeit habe, war der Wechsel nach England ein unfassbarer Qualitätsunterschied. Das kann man nicht vergleichen, denn auch der Trainingsbetrieb gibt mir noch einmal einen ganz anderen Schub für meine Entwicklung. Wenn ich dann noch auf dem Platz stehe, spiele ich in der besten Liga der Welt. Damit ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen, weshalb es die beste Entscheidung war, den Wechsel durchzuziehen.“
Burnley-Keeper Weiß: „Das macht die Liga so geil“
Weiß wechselte 2019 vom SV Sandhausen in die Jugend des Karlsruher SC. Nach sechs Jahren fiel ihm der Abschied besonders schwer. „Der KSC ist mir ans Herz gewachsen und sehr wichtig für mich. Es ist mein zweites Zuhause. Ich muss sagen, dass ich wirklich Fan von diesem Verein geworden bin, was im Profigeschäft nicht so üblich ist. Ich habe dort viele meiner engsten Freunde kennengelernt, zu denen ich weiterhin viel Kontakt habe. Ich tausche mich mehrmals die Woche mit David Herold oder Markus Miller aus. Das sind Beziehungen, die mir den nächsten Schritt nicht so leicht gemacht haben.“ In Burnley hat sich Weiß gut eingelebt, schwärmt von der Mannschaft und dem Verein, in dem es „sehr familiär“ zugeht. Diese Faktoren hätten ihm dabei geholfen, sich schnell in seiner neuen Heimat wohlzufühlen.
In England trifft Weiß mit den Clarets auf Weltklassespieler. Einer von ihnen ist Erling Haaland, der beim 1:5 Burnleys gegen Manchester City einen Doppelpack erzielte und einen Treffer vorlegte. „Es ist komplett surreal und verrückt. Das kann man nicht in Worte fassen. Auf diese Spieler kann man sich nicht vorbereiten. Ich habe es gegen Man City von der Bank aus gesehen. Von den 90 Minuten war er mindestens 70 Minuten komplett unauffällig und am Ende trotzdem der entscheidende Mann. Das ist eine brutale Qualität! Ich habe nach dem Spiel mit Martin gesprochen und er hatte bei einem Gegentor das Gefühl, dass der Ball nirgendwo an ihm vorbei kann und Haaland hat ihn trotzdem reingemacht. Genau das ist der Reiz der Premier League und das macht die Liga so geil, dass du dich jede Woche mit der Elite messen kannst.“
Doch neben der Qualität der Gegner haben es ihm auch die Stadien und die Fans auf der Insel angetan. „Wir haben schon im Old Trafford gespielt, das war unfassbar. Das Stadion hat eine Aura, dann spricht der Trainer in der Ansprache noch vom ‚Theater of Dreams‘ und man denkt nur ‚boah‘. Ich freue mich auf die Anfield Road. Ich glaube alle Stadien in England haben etwas Besonderes zu bieten. Es ist eine tolle Stimmung, eine ganz andere als in Deutschland.“ Mitte Januar geht es zum amtierenden Meister um Ex-Leverkusener Florian Wirtz.
Weiß über England: „Brutal für Torhüter sind alle Ecken und Flanken“
Der Wechsel in die Premier League stellt ihn als Keeper auch vor neue Herausforderungen, wie Weiß erklärt. „Der Fußball hier ist viel physischer. Die Schiedsrichter lassen einfach viel mehr laufen und ich habe das Gefühl, die wollen auch, dass Härte im Spiel ist. Und das Spiel ist viel schneller, auch im Training. Du musst in der Premier League viele Situationen ganz anders handhaben, weil du weniger Zeit hast. Ecken sind da ein Beispiel, weil du viel mehr bearbeitet wirst als in Deutschland. Da nutzt jeder seine Tricks.“ Spitzenreiter Arsenal gilt als eine der besten Standard-Mannschaften in Europa und hat mit Nicolas Jover einen eigenen Trainer für ruhende Bälle. Auch aus diesem Grund führen sie die Premier League an.
Weiß erklärt, dass von Torhütern andere Verhaltensweisen als in Deutschland gefordert werden. „In Sachen Spielaufbau ist die Entwicklung in England dahin gegangen, vermehrt mit langen Bällen zu spielen, um Fehlerquellen zu reduzieren und das Risiko zu minimieren. Brutal für Torhüter sind alle Ecken und Flanken, weil dort etwas ganz anderes verlangt wird als in Deutschland. Du hast viele schlaue Spieler, die sich im letzten Moment vor dich stellen oder deine Hand wegschlagen. Das können weder VAR noch Schiedsrichter sehen. Du wirst aus dem Rhythmus gebracht, hast keine Chance den Ball zu bekommen und dann denkst du dir nur ‚was soll ich jetzt tun?‘. Das ist eine Sache, die Zeit braucht und du musst selbst ein paar Tricks finden, wie du in den jeweiligen Situationen reagierst.“
Wie Weiß sich gegen die deutsche Konkurrenz durchsetzen will
Mit Bernd Leno, der seit Jahren gute Leistungen beim FC Fulham zeigt, und Manchester Citys Nummer zwei Stefan Ortega gibt es zwei weitere deutsche Keeper in der Premier League. Einen besonderen Stellenwert hat die deutsche Torwart-Schule in England jedoch nicht. „Den erarbeitest du dir persönlich in dem, wie du auftrittst, wie du dich im Verein verhältst und wie deine Arbeitsmoral ist. Die Leute sehen, wie du dein Training vor- und nachbereitest, ob du im Kraftraum bist, wie du mit deinem Körper und deinen Mitspielern umgehst.“
Weiß, der für zahlreiche Juniorenteams des DFB auf dem Platz stand, gehört zu einer vielversprechenden Generation an deutschen Keepern. In der U21-Nationalmannschaft bildet er das Torwart-Trio mit Mio Backhaus von Werder Bremen und Dennis Seimen vom SC Paderborn, wobei Backhaus aktuell die Nummer eins ist. Wie sich Weiß gegen die Konkurrenz beweisen will, weiß er. „Meine Stärke ist die Arbeit im Raum. Durch meine Präsenz bin ich mein eigener Typ, daran habe ich langfristig mit Markus Miller gearbeitet und das war mein Ziel. Du musst deinen eigenen Stil entwickeln und finden. Wir glauben, dass die Raumverteidigung ein Riesenpunkt ist, wo du deiner Mannschaft helfen kannst. Das ist der Bereich, in dem ich dem Team am meisten helfen kann – auch dank meiner Größe und Statur.“
„Es gibt so viele verschiedene Stärken und Spielstile, dass ich glaube, nicht jeder Torwart kommt in jeder Liga zurecht, weshalb das ein persönliches Thema von Keepern ist. England ist eine sehr körperliche Liga, für die man gemacht sein muss. Man muss die Art und Weise mögen und es geil finden, sich in alle Zweikämpfe reinzuhauen. Deswegen ist es auf gar keinen Fall ein Nachteil für mich, weil ich glaube, dass mir diese Körperlichkeit in England gut zu Gesicht steht“, erklärt Weiß, der zu den weltweit wertvollsten Keepern bis 21 Jahren zählt.
Bei seinen Zielen gibt sich Weiß selbstbewusst: „Mein großes Ziel ist es natürlich, dauerhaft Premier League zu spielen. Und dann möchte ich mich hochkämpfen, um irgendwann Titel zu gewinnen. Deswegen spielt man Fußball auf diesem Niveau, weil man immer nach mehr strebt. Und dann kann man auch irgendwann über die Nationalmannschaft nachdenken.“
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