| Geburtsdatum | 21.11.1963 |
|---|---|
| Alter | 62 |
| Nat. |
Niederlande |
| Funktion | Trainer |
| Akt. Verein | PSV Eindhoven |
Peter Bosz
23.12.2018 - 11:38 Uhr
23.12.2019 - 16:11 Uhr
Kurz vor Weihnachten 2018 gab es eine Pressemitteilung seitens des Vereins, dass der Trainer getauscht wird. Seitdem sind jetzt 365 Tage vergangen.
1 Jahr Peter Bosz – Wie sieht’s aus?
Zunächst ein kurzer Rückblick. Die Hinrunde der Saison 2018/19 war nicht weit entfernt von einer Katastrophe. Bayer 04 dümpelte irgendwo im grauen Mittelfeld der Liga rum und auch der Fußball, den Heiko Herrlich spielen ließ, war nur mit viel Alkohol zu ertragen. Irgendwann war der Weinkeller der Völlers leer und Rudi traf eine Entscheidung: Das kann so nicht weitergehen! Unmittelbar nach dem Ende der Hinrunde wird Herrlich mitgeteilt, dass er beurlaubt wird und Peter Bosz wird als Nachfolger installiert. Weil man als externer Fan/Medienfuzzi beim blöden Plastikverein natürlich das Haar in der Suppe suchen muss, wird der Zeitpunkt (einen Tag vor Heiligabend) dieser Entscheidung als unmenschlich kritisiert – auweia! Wie sich relativ zeitnah herausstellen wird, war es sportlich gesehen genau der richtige Zeitpunkt mit dem genau richtigen Trainer. Die Art wie Bosz in Amsterdam und Dortmund spielen ließ, passt zu den Leitgedanken und dem Kader von Bayer 04. Bei Ajax hat das Bosz-System funktioniert, in Dortmund ist er damit gehörig auf die Schnauze gefallen. Gerade Letzteres ist in Deutschland im Hinterkopf vieler geblieben. So war die Reaktion auch hier bei uns im Forum von vielen skeptisch mit der Hoffnung, dass alles gut gehen würde. Schnell zeigte sich, dass diese Sorgen größtenteils unbegründet waren.
Beginnen wir mit ein paar Zahlen. Da ich ja auch mal studiert habe, dachte ich mir, dass ich mal meine alten Statistikkenntnisse auspacken, die letzte Rück- sowie die diesjährige Hinrunde anschauen und die Statistiken wild zusammenwerfen kann, in der Hoffnung, dass am Ende etwas Gescheites bei rauskommt. Schauen wir mal.
Von den 34 Bundesligaspielen unter der Leitung von Peter Bosz wurden 19 Spiele gewonnen, 10 verloren und 5 gingen mit einem Unentschieden zu Ende. Das macht in Summe 62 Punkte und einen Schnitt von 1,82 Punkten pro Spiel. Damit bewegt er sich auf einem Level mit Jupp Heynckes und Sascha Lewandowski, unsere erfolgreichsten Trainer der letzten 15-20 Jahre; knapp vor Roger Schmidt. Diese 62 Punkte würden in einer fiktiven Saison des Kalenderjahres 2019 den 4.Platz hinter den Bayern (75 Punkte), Leipzig (72) und Dortmund (64) bedeuten. Gladbach wäre mit 5 Punkten Rückstand hinter uns auf Platz 5. Sprich: Unser jährlich ausgegebenes Ziel mit dem Erreichen der Champions League wäre souverän erreicht worden. Auch 66 erzielte Tore sowie 44 Gegentore sind die viertmeisten – bzw. wenigsten. Die drittmeisten Siege (19), die viertwenigsten Niederlagen (10). Die Zahlen pendeln sich alle in diesem Bereich ein.
Etwas detaillierter betrachtet, wurden in der Rückrunde 18/19 34 Punkte geholt und in der Hinrunde 19/20 28 Punkte. Meiner Meinung nach interessant, dass man mit vermeintlichen Siegen gegen Köln und Hertha (Wäre, wäre, Fahrradkette – wie eine fränkische Fußballlegende zu sagen pflegt) zum Schluss die Punktemarke der Rückrunde eingestellt hätte. In der Hinsicht interessant, da es optisch und gefühlt nicht so wirkt, aber dazu später mehr. Die Gegentore sind im Vergleich konstant geblieben (23 in 18/19, 21 in 19/20). Der einzige Wert, der sich zwischen den beiden Hälften groß unterscheidet, sind die selbst erzielten Tore. Waren es in der Rückrunde noch 43 und somit die Zweitmeisten, sind es in der Hinrunde nur noch 23 geworden (Nr.10 in der Liga). Dieser Wert hat deutlich abgenommen, was sich auch optisch bemerkbar machte und weshalb die Grundstimmung getrübt ist. Offensichtlich besteht ein krasses Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Bundesliga.de hat 261 Torschüsse (die Viertmeisten) gezählt aus denen nur 23 Tore entsprangen (11,34 Schüsse pro Tor). Das ist eindeutig zu wenig.
Soweit zu den Zahlen und Fakten. Kommen wir zu Parametern, die unter subjektiven Einflüssen stehen und somit diskutabel sind. Zu Beginn seiner Amtszeit in Leverkusen war das 4-3-3 mit zwei offensiven 10ern das Lieblingssystem von Peter Bosz. Das ließ sich mit Brandt und Havertz ja auch außerordentlich gut spielen. Mit der Ausnahme einer Durststrecke von drei, teils bösen, Pleiten in Folge war dieses System erfolgreich und es war keine Anpassung nötig. Ob es sich realtaktisch immer um ein 4-3-3 handelte, sei mal dahingestellt. Gerade mit einem Havertz war viel Flexibilität zwischen Mitte und Rechtsaußen möglich. Auch zu Beginn der aktuellen Saison war das 4-3-3 das vorherrschende System, bis zur 4:0-Packung in Dortmund. Danach variierte Bosz sein System, wobei er häufig mit einem 4-2-3-1 auf die etwas defensivere Variante des 4-3-3 zurückgriff. Erst zum Schluss gegen Köln und Hertha ging er auf das 4-3-3 zurück.
Ein Markenzeichen des Bosz-Fußballs ist der hohe Anteil des Ballbesitzes. In schöner Regelmäßigkeit kamen Ballbesitzanteile von 70% und mehr zu Stande, allerdings verzeichneten die defensiven Spieler außergewöhnlich viele Ballkontakte, da der Ball im Spielaufbau häufig über die hinterste Reihe lief und auf die andere Seite verschoben wurde. Solange, bis der Gegner einen Fehler machte. Diese Taktik ist für den Gegner zermürbend und führte dazu, dass gerade gegen die schlechteren Teams (aus der zweiten Tabellenhälfte) keine negativen Überraschungen zustande kamen. Durch die Übernahme des Aufbauspiels der Abwehrspieler konnten sich die Offensiven sehr weit vorne positionieren. Das kam diesen natürlich zu Gute, sodass viele der Angreifer unter Bosz regelrecht aufblühten. Ein Julian Brandt würde ohne Bosz vermutlich immer noch auf den Außen versauern und ein Kai Havertz wäre vielleicht einer der gehyptesten Spieler Europas. Aber auch Volland oder Aranguiz kamen bspw. mit Bosz besser klar als mit Herrlich. Die offensive Ausrichtung war allerdings gegen die Top-Teams sehr risikohaft, da bei einem Ballverlust wenig bis keine Absicherung der Abwehrspieler stattfand. Gute Mannschaften können so etwas ausnutzen. Dadurch wirkte die Abwehr immer wieder wie ein einziger Hühnerhaufen. Peter Bosz musste reagieren.
Durch die teils kamikazeartigen Auftritte im Defensivverbund sah sich Bosz gezwungen mit weniger Risiko agieren zu lassen, aber im Grunde seine Philosophie des Fußballspiels beizubehalten. Das jedenfalls würde den relativ simplen Wechsel von 4-3-3 auf 4-2-3-1 erklären. Allerdings hatte diese kleinere Änderung eine große Wirkung. Denn das, was den Bosz-Fußball in der Rückrunde ausmachte, ging in der Hinrunde verloren – diese unglaubliche, offensive Wucht. Zwar sprachen die gegnerischen Verteidiger nach den Spielen in schöner Regelmäßigkeit davon, dass sie gerade gegen die offensiv stärkste Mannschaft gespielt hätten, Punkte mitgenommen haben sie dennoch zu häufig. Von dem Fehlen dieser Offensivgefahr zeugen auch die nur 23 erzielten Tore. Zieht man die Eigentore ab, sind es noch weniger. In 5 von 17 Spielen blieb man ohne eigenes Tor, für einen Champions League-Anwärter zu viele.
Wenn dann der Gegner tief steht, Bayer 04 in den ungefährlichen Zonen den Ball überlässt und erst eingreift, sobald es gefährlich werden könnte, dann entsteht schnell ein langweiliges Ballgeschiebe, wie wir es zu Ende der Hinrunde jetzt in der extremen Form erlebt haben. Durch das hohe Verteidigen gegen den Ball braucht der Gegner dann nur wenige Aktionen, um Punkte abzugreifen. Die Kombination aus den zu einfachen, systembedingten Gegentoren und der geringen Offensivkraft ist mMn der Knackpunkt, der über am Ende über eine erfolgreiche Zeit von Peter Bosz in Leverkusen entscheiden wird.
Ich habe mich hier bewusst fast ausschließlich auf die Bundesliga konzentriert. Unter seiner Leitung spielten wir erst drei Pokalspiele (da könnte man auch noch über Heidenheim sprechen). Allerdings halte ich drei Spiele für zu wenig, um mir hier ein Urteil zu erlauben. Über die zwei Spiele in der Europa League sowie die Sechs in der Champions League kann man sehr wohl noch ein Wort verlieren. Krasnodar und Moskau 1 waren Mist. Da gibt es keine zwei Meinungen. Gegen Juventus steht zwar in Summe ein 0:5, aber drei Tore fielen sehr spät, und zeugen davon, dass man über weite Teile mithalten konnte. In Madrid war es ebenfalls ein, über weite Teile guter Auftritt, bei dem man an der Cleverness von Atletico scheiterte. Atletico 2 und Moskau 2 hingegen waren gute Auftritte, mit denen man sich die internationale Saison gerettet hat. Platz 3 in dieser Gruppe war das Mindestziel und dieses wurde einigermaßen souverän erreicht. Mit einem Heimsieg gegen Moskau wäre vielleicht noch was nach oben gegangen, aber dann wäre auch Atletico in der BayArena vermutlich anders aufgetreten. Daher: Passt schon. Noch habe ich die Hoffnung, dass wir auch mal in der Europa League etwas reißen können.
Mein Fazit: Aus seiner Dortmunder Zeit eilt Peter Bosz immer noch der Ruf nach, dass er nicht anpassungsfähig ist. Das sehe ich nicht so. Wie oben bereits angerissen, hat er reagiert und versucht die Defensive zu stabilisieren. Aus dem offensiven Powerplay mit fehlender Balance in der Defensive ist eine defensivere Grundeinstellung mit fehlender Balance in der Offensive geworden. Diese beiden Extremen zu vereinen und die richtige Balance zu finden, ist die nächste Herausforderung für Bosz. Ich bin überzeugt davon, dass er sie finden kann. Er hat jetzt Zeit sich in der Winterpause das nächste, taktische Element zu überlegen. Für eine erneute Champions League-Qualifikation werden vermutlich um die 60 Punkte nötig sein. Das bedeutet, dass wir eine 30+ Punkte-Rückrunde brauchen.
Ich glaube daran, dass wir das schaffen können, auch mit oder vielleicht sogar wegen Peter Bosz. Ich bin froh, dass er unser Trainer ist und die Trainerfrage nie so wirklich aufkam. Aber: Es muss sich spielerisch etwas ändern, sonst schlägt das Pendel auch mal schnell in die andere Richtung aus.
1 Jahr Peter Bosz – Wie sieht’s aus?
Zunächst ein kurzer Rückblick. Die Hinrunde der Saison 2018/19 war nicht weit entfernt von einer Katastrophe. Bayer 04 dümpelte irgendwo im grauen Mittelfeld der Liga rum und auch der Fußball, den Heiko Herrlich spielen ließ, war nur mit viel Alkohol zu ertragen. Irgendwann war der Weinkeller der Völlers leer und Rudi traf eine Entscheidung: Das kann so nicht weitergehen! Unmittelbar nach dem Ende der Hinrunde wird Herrlich mitgeteilt, dass er beurlaubt wird und Peter Bosz wird als Nachfolger installiert. Weil man als externer Fan/Medienfuzzi beim blöden Plastikverein natürlich das Haar in der Suppe suchen muss, wird der Zeitpunkt (einen Tag vor Heiligabend) dieser Entscheidung als unmenschlich kritisiert – auweia! Wie sich relativ zeitnah herausstellen wird, war es sportlich gesehen genau der richtige Zeitpunkt mit dem genau richtigen Trainer. Die Art wie Bosz in Amsterdam und Dortmund spielen ließ, passt zu den Leitgedanken und dem Kader von Bayer 04. Bei Ajax hat das Bosz-System funktioniert, in Dortmund ist er damit gehörig auf die Schnauze gefallen. Gerade Letzteres ist in Deutschland im Hinterkopf vieler geblieben. So war die Reaktion auch hier bei uns im Forum von vielen skeptisch mit der Hoffnung, dass alles gut gehen würde. Schnell zeigte sich, dass diese Sorgen größtenteils unbegründet waren.
Beginnen wir mit ein paar Zahlen. Da ich ja auch mal studiert habe, dachte ich mir, dass ich mal meine alten Statistikkenntnisse auspacken, die letzte Rück- sowie die diesjährige Hinrunde anschauen und die Statistiken wild zusammenwerfen kann, in der Hoffnung, dass am Ende etwas Gescheites bei rauskommt. Schauen wir mal.
Von den 34 Bundesligaspielen unter der Leitung von Peter Bosz wurden 19 Spiele gewonnen, 10 verloren und 5 gingen mit einem Unentschieden zu Ende. Das macht in Summe 62 Punkte und einen Schnitt von 1,82 Punkten pro Spiel. Damit bewegt er sich auf einem Level mit Jupp Heynckes und Sascha Lewandowski, unsere erfolgreichsten Trainer der letzten 15-20 Jahre; knapp vor Roger Schmidt. Diese 62 Punkte würden in einer fiktiven Saison des Kalenderjahres 2019 den 4.Platz hinter den Bayern (75 Punkte), Leipzig (72) und Dortmund (64) bedeuten. Gladbach wäre mit 5 Punkten Rückstand hinter uns auf Platz 5. Sprich: Unser jährlich ausgegebenes Ziel mit dem Erreichen der Champions League wäre souverän erreicht worden. Auch 66 erzielte Tore sowie 44 Gegentore sind die viertmeisten – bzw. wenigsten. Die drittmeisten Siege (19), die viertwenigsten Niederlagen (10). Die Zahlen pendeln sich alle in diesem Bereich ein.
Etwas detaillierter betrachtet, wurden in der Rückrunde 18/19 34 Punkte geholt und in der Hinrunde 19/20 28 Punkte. Meiner Meinung nach interessant, dass man mit vermeintlichen Siegen gegen Köln und Hertha (Wäre, wäre, Fahrradkette – wie eine fränkische Fußballlegende zu sagen pflegt) zum Schluss die Punktemarke der Rückrunde eingestellt hätte. In der Hinsicht interessant, da es optisch und gefühlt nicht so wirkt, aber dazu später mehr. Die Gegentore sind im Vergleich konstant geblieben (23 in 18/19, 21 in 19/20). Der einzige Wert, der sich zwischen den beiden Hälften groß unterscheidet, sind die selbst erzielten Tore. Waren es in der Rückrunde noch 43 und somit die Zweitmeisten, sind es in der Hinrunde nur noch 23 geworden (Nr.10 in der Liga). Dieser Wert hat deutlich abgenommen, was sich auch optisch bemerkbar machte und weshalb die Grundstimmung getrübt ist. Offensichtlich besteht ein krasses Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Bundesliga.de hat 261 Torschüsse (die Viertmeisten) gezählt aus denen nur 23 Tore entsprangen (11,34 Schüsse pro Tor). Das ist eindeutig zu wenig.
Soweit zu den Zahlen und Fakten. Kommen wir zu Parametern, die unter subjektiven Einflüssen stehen und somit diskutabel sind. Zu Beginn seiner Amtszeit in Leverkusen war das 4-3-3 mit zwei offensiven 10ern das Lieblingssystem von Peter Bosz. Das ließ sich mit Brandt und Havertz ja auch außerordentlich gut spielen. Mit der Ausnahme einer Durststrecke von drei, teils bösen, Pleiten in Folge war dieses System erfolgreich und es war keine Anpassung nötig. Ob es sich realtaktisch immer um ein 4-3-3 handelte, sei mal dahingestellt. Gerade mit einem Havertz war viel Flexibilität zwischen Mitte und Rechtsaußen möglich. Auch zu Beginn der aktuellen Saison war das 4-3-3 das vorherrschende System, bis zur 4:0-Packung in Dortmund. Danach variierte Bosz sein System, wobei er häufig mit einem 4-2-3-1 auf die etwas defensivere Variante des 4-3-3 zurückgriff. Erst zum Schluss gegen Köln und Hertha ging er auf das 4-3-3 zurück.
Ein Markenzeichen des Bosz-Fußballs ist der hohe Anteil des Ballbesitzes. In schöner Regelmäßigkeit kamen Ballbesitzanteile von 70% und mehr zu Stande, allerdings verzeichneten die defensiven Spieler außergewöhnlich viele Ballkontakte, da der Ball im Spielaufbau häufig über die hinterste Reihe lief und auf die andere Seite verschoben wurde. Solange, bis der Gegner einen Fehler machte. Diese Taktik ist für den Gegner zermürbend und führte dazu, dass gerade gegen die schlechteren Teams (aus der zweiten Tabellenhälfte) keine negativen Überraschungen zustande kamen. Durch die Übernahme des Aufbauspiels der Abwehrspieler konnten sich die Offensiven sehr weit vorne positionieren. Das kam diesen natürlich zu Gute, sodass viele der Angreifer unter Bosz regelrecht aufblühten. Ein Julian Brandt würde ohne Bosz vermutlich immer noch auf den Außen versauern und ein Kai Havertz wäre vielleicht einer der gehyptesten Spieler Europas. Aber auch Volland oder Aranguiz kamen bspw. mit Bosz besser klar als mit Herrlich. Die offensive Ausrichtung war allerdings gegen die Top-Teams sehr risikohaft, da bei einem Ballverlust wenig bis keine Absicherung der Abwehrspieler stattfand. Gute Mannschaften können so etwas ausnutzen. Dadurch wirkte die Abwehr immer wieder wie ein einziger Hühnerhaufen. Peter Bosz musste reagieren.
Durch die teils kamikazeartigen Auftritte im Defensivverbund sah sich Bosz gezwungen mit weniger Risiko agieren zu lassen, aber im Grunde seine Philosophie des Fußballspiels beizubehalten. Das jedenfalls würde den relativ simplen Wechsel von 4-3-3 auf 4-2-3-1 erklären. Allerdings hatte diese kleinere Änderung eine große Wirkung. Denn das, was den Bosz-Fußball in der Rückrunde ausmachte, ging in der Hinrunde verloren – diese unglaubliche, offensive Wucht. Zwar sprachen die gegnerischen Verteidiger nach den Spielen in schöner Regelmäßigkeit davon, dass sie gerade gegen die offensiv stärkste Mannschaft gespielt hätten, Punkte mitgenommen haben sie dennoch zu häufig. Von dem Fehlen dieser Offensivgefahr zeugen auch die nur 23 erzielten Tore. Zieht man die Eigentore ab, sind es noch weniger. In 5 von 17 Spielen blieb man ohne eigenes Tor, für einen Champions League-Anwärter zu viele.
Wenn dann der Gegner tief steht, Bayer 04 in den ungefährlichen Zonen den Ball überlässt und erst eingreift, sobald es gefährlich werden könnte, dann entsteht schnell ein langweiliges Ballgeschiebe, wie wir es zu Ende der Hinrunde jetzt in der extremen Form erlebt haben. Durch das hohe Verteidigen gegen den Ball braucht der Gegner dann nur wenige Aktionen, um Punkte abzugreifen. Die Kombination aus den zu einfachen, systembedingten Gegentoren und der geringen Offensivkraft ist mMn der Knackpunkt, der über am Ende über eine erfolgreiche Zeit von Peter Bosz in Leverkusen entscheiden wird.
Ich habe mich hier bewusst fast ausschließlich auf die Bundesliga konzentriert. Unter seiner Leitung spielten wir erst drei Pokalspiele (da könnte man auch noch über Heidenheim sprechen). Allerdings halte ich drei Spiele für zu wenig, um mir hier ein Urteil zu erlauben. Über die zwei Spiele in der Europa League sowie die Sechs in der Champions League kann man sehr wohl noch ein Wort verlieren. Krasnodar und Moskau 1 waren Mist. Da gibt es keine zwei Meinungen. Gegen Juventus steht zwar in Summe ein 0:5, aber drei Tore fielen sehr spät, und zeugen davon, dass man über weite Teile mithalten konnte. In Madrid war es ebenfalls ein, über weite Teile guter Auftritt, bei dem man an der Cleverness von Atletico scheiterte. Atletico 2 und Moskau 2 hingegen waren gute Auftritte, mit denen man sich die internationale Saison gerettet hat. Platz 3 in dieser Gruppe war das Mindestziel und dieses wurde einigermaßen souverän erreicht. Mit einem Heimsieg gegen Moskau wäre vielleicht noch was nach oben gegangen, aber dann wäre auch Atletico in der BayArena vermutlich anders aufgetreten. Daher: Passt schon. Noch habe ich die Hoffnung, dass wir auch mal in der Europa League etwas reißen können.
Mein Fazit: Aus seiner Dortmunder Zeit eilt Peter Bosz immer noch der Ruf nach, dass er nicht anpassungsfähig ist. Das sehe ich nicht so. Wie oben bereits angerissen, hat er reagiert und versucht die Defensive zu stabilisieren. Aus dem offensiven Powerplay mit fehlender Balance in der Defensive ist eine defensivere Grundeinstellung mit fehlender Balance in der Offensive geworden. Diese beiden Extremen zu vereinen und die richtige Balance zu finden, ist die nächste Herausforderung für Bosz. Ich bin überzeugt davon, dass er sie finden kann. Er hat jetzt Zeit sich in der Winterpause das nächste, taktische Element zu überlegen. Für eine erneute Champions League-Qualifikation werden vermutlich um die 60 Punkte nötig sein. Das bedeutet, dass wir eine 30+ Punkte-Rückrunde brauchen.
Ich glaube daran, dass wir das schaffen können, auch mit oder vielleicht sogar wegen Peter Bosz. Ich bin froh, dass er unser Trainer ist und die Trainerfrage nie so wirklich aufkam. Aber: Es muss sich spielerisch etwas ändern, sonst schlägt das Pendel auch mal schnell in die andere Richtung aus.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Bayer04Fan am 23.12.2019 um 16:14 Uhr bearbeitet
23.12.2019 - 19:42 Uhr
Zitat von Bayer04Fan
Kurz vor Weihnachten 2018 gab es eine Pressemitteilung seitens des Vereins, dass der Trainer getauscht wird. Seitdem sind jetzt 365 Tage vergangen.
1 Jahr Peter Bosz – Wie sieht’s aus?
Zunächst ein kurzer Rückblick. Die Hinrunde der Saison 2018/19 war nicht weit entfernt von einer Katastrophe. Bayer 04 dümpelte irgendwo im grauen Mittelfeld der Liga rum und auch der Fußball, den Heiko Herrlich spielen ließ, war nur mit viel Alkohol zu ertragen. Irgendwann war der Weinkeller der Völlers leer und Rudi traf eine Entscheidung: Das kann so nicht weitergehen! Unmittelbar nach dem Ende der Hinrunde wird Herrlich mitgeteilt, dass er beurlaubt wird und Peter Bosz wird als Nachfolger installiert. Weil man als externer Fan/Medienfuzzi beim blöden Plastikverein natürlich das Haar in der Suppe suchen muss, wird der Zeitpunkt (einen Tag vor Heiligabend) dieser Entscheidung als unmenschlich kritisiert – auweia! Wie sich relativ zeitnah herausstellen wird, war es sportlich gesehen genau der richtige Zeitpunkt mit dem genau richtigen Trainer. Die Art wie Bosz in Amsterdam und Dortmund spielen ließ, passt zu den Leitgedanken und dem Kader von Bayer 04. Bei Ajax hat das Bosz-System funktioniert, in Dortmund ist er damit gehörig auf die Schnauze gefallen. Gerade Letzteres ist in Deutschland im Hinterkopf vieler geblieben. So war die Reaktion auch hier bei uns im Forum von vielen skeptisch mit der Hoffnung, dass alles gut gehen würde. Schnell zeigte sich, dass diese Sorgen größtenteils unbegründet waren.
Beginnen wir mit ein paar Zahlen. Da ich ja auch mal studiert habe, dachte ich mir, dass ich mal meine alten Statistikkenntnisse auspacken, die letzte Rück- sowie die diesjährige Hinrunde anschauen und die Statistiken wild zusammenwerfen kann, in der Hoffnung, dass am Ende etwas Gescheites bei rauskommt. Schauen wir mal.
Von den 34 Bundesligaspielen unter der Leitung von Peter Bosz wurden 19 Spiele gewonnen, 10 verloren und 5 gingen mit einem Unentschieden zu Ende. Das macht in Summe 62 Punkte und einen Schnitt von 1,82 Punkten pro Spiel. Damit bewegt er sich auf einem Level mit Jupp Heynckes und Sascha Lewandowski, unsere erfolgreichsten Trainer der letzten 15-20 Jahre; knapp vor Roger Schmidt. Diese 62 Punkte würden in einer fiktiven Saison des Kalenderjahres 2019 den 4.Platz hinter den Bayern (75 Punkte), Leipzig (72) und Dortmund (64) bedeuten. Gladbach wäre mit 5 Punkten Rückstand hinter uns auf Platz 5. Sprich: Unser jährlich ausgegebenes Ziel mit dem Erreichen der Champions League wäre souverän erreicht worden. Auch 66 erzielte Tore sowie 44 Gegentore sind die viertmeisten – bzw. wenigsten. Die drittmeisten Siege (19), die viertwenigsten Niederlagen (10). Die Zahlen pendeln sich alle in diesem Bereich ein.
Etwas detaillierter betrachtet, wurden in der Rückrunde 18/19 34 Punkte geholt und in der Hinrunde 19/20 28 Punkte. Meiner Meinung nach interessant, dass man mit vermeintlichen Siegen gegen Köln und Hertha (Wäre, wäre, Fahrradkette – wie eine fränkische Fußballlegende zu sagen pflegt) zum Schluss die Punktemarke der Rückrunde eingestellt hätte. In der Hinsicht interessant, da es optisch und gefühlt nicht so wirkt, aber dazu später mehr. Die Gegentore sind im Vergleich konstant geblieben (23 in 18/19, 21 in 19/20). Der einzige Wert, der sich zwischen den beiden Hälften groß unterscheidet, sind die selbst erzielten Tore. Waren es in der Rückrunde noch 43 und somit die Zweitmeisten, sind es in der Hinrunde nur noch 23 geworden (Nr.10 in der Liga). Dieser Wert hat deutlich abgenommen, was sich auch optisch bemerkbar machte und weshalb die Grundstimmung getrübt ist. Offensichtlich besteht ein krasses Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Bundesliga.de hat 261 Torschüsse (die Viertmeisten) gezählt aus denen nur 23 Tore entsprangen (11,34 Schüsse pro Tor). Das ist eindeutig zu wenig.
Soweit zu den Zahlen und Fakten. Kommen wir zu Parametern, die unter subjektiven Einflüssen stehen und somit diskutabel sind. Zu Beginn seiner Amtszeit in Leverkusen war das 4-3-3 mit zwei offensiven 10ern das Lieblingssystem von Peter Bosz. Das ließ sich mit Brandt und Havertz ja auch außerordentlich gut spielen. Mit der Ausnahme einer Durststrecke von drei, teils bösen, Pleiten in Folge war dieses System erfolgreich und es war keine Anpassung nötig. Ob es sich realtaktisch immer um ein 4-3-3 handelte, sei mal dahingestellt. Gerade mit einem Havertz war viel Flexibilität zwischen Mitte und Rechtsaußen möglich. Auch zu Beginn der aktuellen Saison war das 4-3-3 das vorherrschende System, bis zur 4:0-Packung in Dortmund. Danach variierte Bosz sein System, wobei er häufig mit einem 4-2-3-1 auf die etwas defensivere Variante des 4-3-3 zurückgriff. Erst zum Schluss gegen Köln und Hertha ging er auf das 4-3-3 zurück.
Ein Markenzeichen des Bosz-Fußballs ist der hohe Anteil des Ballbesitzes. In schöner Regelmäßigkeit kamen Ballbesitzanteile von 70% und mehr zu Stande, allerdings verzeichneten die defensiven Spieler außergewöhnlich viele Ballkontakte, da der Ball im Spielaufbau häufig über die hinterste Reihe lief und auf die andere Seite verschoben wurde. Solange, bis der Gegner einen Fehler machte. Diese Taktik ist für den Gegner zermürbend und führte dazu, dass gerade gegen die schlechteren Teams (aus der zweiten Tabellenhälfte) keine negativen Überraschungen zustande kamen. Durch die Übernahme des Aufbauspiels der Abwehrspieler konnten sich die Offensiven sehr weit vorne positionieren. Das kam diesen natürlich zu Gute, sodass viele der Angreifer unter Bosz regelrecht aufblühten. Ein Julian Brandt würde ohne Bosz vermutlich immer noch auf den Außen versauern und ein Kai Havertz wäre vielleicht einer der gehyptesten Spieler Europas. Aber auch Volland oder Aranguiz kamen bspw. mit Bosz besser klar als mit Herrlich. Die offensive Ausrichtung war allerdings gegen die Top-Teams sehr risikohaft, da bei einem Ballverlust wenig bis keine Absicherung der Abwehrspieler stattfand. Gute Mannschaften können so etwas ausnutzen. Dadurch wirkte die Abwehr immer wieder wie ein einziger Hühnerhaufen. Peter Bosz musste reagieren.
Durch die teils kamikazeartigen Auftritte im Defensivverbund sah sich Bosz gezwungen mit weniger Risiko agieren zu lassen, aber im Grunde seine Philosophie des Fußballspiels beizubehalten. Das jedenfalls würde den relativ simplen Wechsel von 4-3-3 auf 4-2-3-1 erklären. Allerdings hatte diese kleinere Änderung eine große Wirkung. Denn das, was den Bosz-Fußball in der Rückrunde ausmachte, ging in der Hinrunde verloren – diese unglaubliche, offensive Wucht. Zwar sprachen die gegnerischen Verteidiger nach den Spielen in schöner Regelmäßigkeit davon, dass sie gerade gegen die offensiv stärkste Mannschaft gespielt hätten, Punkte mitgenommen haben sie dennoch zu häufig. Von dem Fehlen dieser Offensivgefahr zeugen auch die nur 23 erzielten Tore. Zieht man die Eigentore ab, sind es noch weniger. In 5 von 17 Spielen blieb man ohne eigenes Tor, für einen Champions League-Anwärter zu viele.
Wenn dann der Gegner tief steht, Bayer 04 in den ungefährlichen Zonen den Ball überlässt und erst eingreift, sobald es gefährlich werden könnte, dann entsteht schnell ein langweiliges Ballgeschiebe, wie wir es zu Ende der Hinrunde jetzt in der extremen Form erlebt haben. Durch das hohe Verteidigen gegen den Ball braucht der Gegner dann nur wenige Aktionen, um Punkte abzugreifen. Die Kombination aus den zu einfachen, systembedingten Gegentoren und der geringen Offensivkraft ist mMn der Knackpunkt, der über am Ende über eine erfolgreiche Zeit von Peter Bosz in Leverkusen entscheiden wird.
Ich habe mich hier bewusst fast ausschließlich auf die Bundesliga konzentriert. Unter seiner Leitung spielten wir erst drei Pokalspiele (da könnte man auch noch über Heidenheim sprechen). Allerdings halte ich drei Spiele für zu wenig, um mir hier ein Urteil zu erlauben. Über die zwei Spiele in der Europa League sowie die Sechs in der Champions League kann man sehr wohl noch ein Wort verlieren. Krasnodar und Moskau 1 waren Mist. Da gibt es keine zwei Meinungen. Gegen Juventus steht zwar in Summe ein 0:5, aber drei Tore fielen sehr spät, und zeugen davon, dass man über weite Teile mithalten konnte. In Madrid war es ebenfalls ein, über weite Teile guter Auftritt, bei dem man an der Cleverness von Atletico scheiterte. Atletico 2 und Moskau 2 hingegen waren gute Auftritte, mit denen man sich die internationale Saison gerettet hat. Platz 3 in dieser Gruppe war das Mindestziel und dieses wurde einigermaßen souverän erreicht. Mit einem Heimsieg gegen Moskau wäre vielleicht noch was nach oben gegangen, aber dann wäre auch Atletico in der BayArena vermutlich anders aufgetreten. Daher: Passt schon. Noch habe ich die Hoffnung, dass wir auch mal in der Europa League etwas reißen können.
Mein Fazit: Aus seiner Dortmunder Zeit eilt Peter Bosz immer noch der Ruf nach, dass er nicht anpassungsfähig ist. Das sehe ich nicht so. Wie oben bereits angerissen, hat er reagiert und versucht die Defensive zu stabilisieren. Aus dem offensiven Powerplay mit fehlender Balance in der Defensive ist eine defensivere Grundeinstellung mit fehlender Balance in der Offensive geworden. Diese beiden Extremen zu vereinen und die richtige Balance zu finden, ist die nächste Herausforderung für Bosz. Ich bin überzeugt davon, dass er sie finden kann. Er hat jetzt Zeit sich in der Winterpause das nächste, taktische Element zu überlegen. Für eine erneute Champions League-Qualifikation werden vermutlich um die 60 Punkte nötig sein. Das bedeutet, dass wir eine 30+ Punkte-Rückrunde brauchen.
Ich glaube daran, dass wir das schaffen können, auch mit oder vielleicht sogar wegen Peter Bosz. Ich bin froh, dass er unser Trainer ist und die Trainerfrage nie so wirklich aufkam. Aber: Es muss sich spielerisch etwas ändern, sonst schlägt das Pendel auch mal schnell in die andere Richtung aus.
Kurz vor Weihnachten 2018 gab es eine Pressemitteilung seitens des Vereins, dass der Trainer getauscht wird. Seitdem sind jetzt 365 Tage vergangen.
1 Jahr Peter Bosz – Wie sieht’s aus?
Zunächst ein kurzer Rückblick. Die Hinrunde der Saison 2018/19 war nicht weit entfernt von einer Katastrophe. Bayer 04 dümpelte irgendwo im grauen Mittelfeld der Liga rum und auch der Fußball, den Heiko Herrlich spielen ließ, war nur mit viel Alkohol zu ertragen. Irgendwann war der Weinkeller der Völlers leer und Rudi traf eine Entscheidung: Das kann so nicht weitergehen! Unmittelbar nach dem Ende der Hinrunde wird Herrlich mitgeteilt, dass er beurlaubt wird und Peter Bosz wird als Nachfolger installiert. Weil man als externer Fan/Medienfuzzi beim blöden Plastikverein natürlich das Haar in der Suppe suchen muss, wird der Zeitpunkt (einen Tag vor Heiligabend) dieser Entscheidung als unmenschlich kritisiert – auweia! Wie sich relativ zeitnah herausstellen wird, war es sportlich gesehen genau der richtige Zeitpunkt mit dem genau richtigen Trainer. Die Art wie Bosz in Amsterdam und Dortmund spielen ließ, passt zu den Leitgedanken und dem Kader von Bayer 04. Bei Ajax hat das Bosz-System funktioniert, in Dortmund ist er damit gehörig auf die Schnauze gefallen. Gerade Letzteres ist in Deutschland im Hinterkopf vieler geblieben. So war die Reaktion auch hier bei uns im Forum von vielen skeptisch mit der Hoffnung, dass alles gut gehen würde. Schnell zeigte sich, dass diese Sorgen größtenteils unbegründet waren.
Beginnen wir mit ein paar Zahlen. Da ich ja auch mal studiert habe, dachte ich mir, dass ich mal meine alten Statistikkenntnisse auspacken, die letzte Rück- sowie die diesjährige Hinrunde anschauen und die Statistiken wild zusammenwerfen kann, in der Hoffnung, dass am Ende etwas Gescheites bei rauskommt. Schauen wir mal.
Von den 34 Bundesligaspielen unter der Leitung von Peter Bosz wurden 19 Spiele gewonnen, 10 verloren und 5 gingen mit einem Unentschieden zu Ende. Das macht in Summe 62 Punkte und einen Schnitt von 1,82 Punkten pro Spiel. Damit bewegt er sich auf einem Level mit Jupp Heynckes und Sascha Lewandowski, unsere erfolgreichsten Trainer der letzten 15-20 Jahre; knapp vor Roger Schmidt. Diese 62 Punkte würden in einer fiktiven Saison des Kalenderjahres 2019 den 4.Platz hinter den Bayern (75 Punkte), Leipzig (72) und Dortmund (64) bedeuten. Gladbach wäre mit 5 Punkten Rückstand hinter uns auf Platz 5. Sprich: Unser jährlich ausgegebenes Ziel mit dem Erreichen der Champions League wäre souverän erreicht worden. Auch 66 erzielte Tore sowie 44 Gegentore sind die viertmeisten – bzw. wenigsten. Die drittmeisten Siege (19), die viertwenigsten Niederlagen (10). Die Zahlen pendeln sich alle in diesem Bereich ein.
Etwas detaillierter betrachtet, wurden in der Rückrunde 18/19 34 Punkte geholt und in der Hinrunde 19/20 28 Punkte. Meiner Meinung nach interessant, dass man mit vermeintlichen Siegen gegen Köln und Hertha (Wäre, wäre, Fahrradkette – wie eine fränkische Fußballlegende zu sagen pflegt) zum Schluss die Punktemarke der Rückrunde eingestellt hätte. In der Hinsicht interessant, da es optisch und gefühlt nicht so wirkt, aber dazu später mehr. Die Gegentore sind im Vergleich konstant geblieben (23 in 18/19, 21 in 19/20). Der einzige Wert, der sich zwischen den beiden Hälften groß unterscheidet, sind die selbst erzielten Tore. Waren es in der Rückrunde noch 43 und somit die Zweitmeisten, sind es in der Hinrunde nur noch 23 geworden (Nr.10 in der Liga). Dieser Wert hat deutlich abgenommen, was sich auch optisch bemerkbar machte und weshalb die Grundstimmung getrübt ist. Offensichtlich besteht ein krasses Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Bundesliga.de hat 261 Torschüsse (die Viertmeisten) gezählt aus denen nur 23 Tore entsprangen (11,34 Schüsse pro Tor). Das ist eindeutig zu wenig.
Soweit zu den Zahlen und Fakten. Kommen wir zu Parametern, die unter subjektiven Einflüssen stehen und somit diskutabel sind. Zu Beginn seiner Amtszeit in Leverkusen war das 4-3-3 mit zwei offensiven 10ern das Lieblingssystem von Peter Bosz. Das ließ sich mit Brandt und Havertz ja auch außerordentlich gut spielen. Mit der Ausnahme einer Durststrecke von drei, teils bösen, Pleiten in Folge war dieses System erfolgreich und es war keine Anpassung nötig. Ob es sich realtaktisch immer um ein 4-3-3 handelte, sei mal dahingestellt. Gerade mit einem Havertz war viel Flexibilität zwischen Mitte und Rechtsaußen möglich. Auch zu Beginn der aktuellen Saison war das 4-3-3 das vorherrschende System, bis zur 4:0-Packung in Dortmund. Danach variierte Bosz sein System, wobei er häufig mit einem 4-2-3-1 auf die etwas defensivere Variante des 4-3-3 zurückgriff. Erst zum Schluss gegen Köln und Hertha ging er auf das 4-3-3 zurück.
Ein Markenzeichen des Bosz-Fußballs ist der hohe Anteil des Ballbesitzes. In schöner Regelmäßigkeit kamen Ballbesitzanteile von 70% und mehr zu Stande, allerdings verzeichneten die defensiven Spieler außergewöhnlich viele Ballkontakte, da der Ball im Spielaufbau häufig über die hinterste Reihe lief und auf die andere Seite verschoben wurde. Solange, bis der Gegner einen Fehler machte. Diese Taktik ist für den Gegner zermürbend und führte dazu, dass gerade gegen die schlechteren Teams (aus der zweiten Tabellenhälfte) keine negativen Überraschungen zustande kamen. Durch die Übernahme des Aufbauspiels der Abwehrspieler konnten sich die Offensiven sehr weit vorne positionieren. Das kam diesen natürlich zu Gute, sodass viele der Angreifer unter Bosz regelrecht aufblühten. Ein Julian Brandt würde ohne Bosz vermutlich immer noch auf den Außen versauern und ein Kai Havertz wäre vielleicht einer der gehyptesten Spieler Europas. Aber auch Volland oder Aranguiz kamen bspw. mit Bosz besser klar als mit Herrlich. Die offensive Ausrichtung war allerdings gegen die Top-Teams sehr risikohaft, da bei einem Ballverlust wenig bis keine Absicherung der Abwehrspieler stattfand. Gute Mannschaften können so etwas ausnutzen. Dadurch wirkte die Abwehr immer wieder wie ein einziger Hühnerhaufen. Peter Bosz musste reagieren.
Durch die teils kamikazeartigen Auftritte im Defensivverbund sah sich Bosz gezwungen mit weniger Risiko agieren zu lassen, aber im Grunde seine Philosophie des Fußballspiels beizubehalten. Das jedenfalls würde den relativ simplen Wechsel von 4-3-3 auf 4-2-3-1 erklären. Allerdings hatte diese kleinere Änderung eine große Wirkung. Denn das, was den Bosz-Fußball in der Rückrunde ausmachte, ging in der Hinrunde verloren – diese unglaubliche, offensive Wucht. Zwar sprachen die gegnerischen Verteidiger nach den Spielen in schöner Regelmäßigkeit davon, dass sie gerade gegen die offensiv stärkste Mannschaft gespielt hätten, Punkte mitgenommen haben sie dennoch zu häufig. Von dem Fehlen dieser Offensivgefahr zeugen auch die nur 23 erzielten Tore. Zieht man die Eigentore ab, sind es noch weniger. In 5 von 17 Spielen blieb man ohne eigenes Tor, für einen Champions League-Anwärter zu viele.
Wenn dann der Gegner tief steht, Bayer 04 in den ungefährlichen Zonen den Ball überlässt und erst eingreift, sobald es gefährlich werden könnte, dann entsteht schnell ein langweiliges Ballgeschiebe, wie wir es zu Ende der Hinrunde jetzt in der extremen Form erlebt haben. Durch das hohe Verteidigen gegen den Ball braucht der Gegner dann nur wenige Aktionen, um Punkte abzugreifen. Die Kombination aus den zu einfachen, systembedingten Gegentoren und der geringen Offensivkraft ist mMn der Knackpunkt, der über am Ende über eine erfolgreiche Zeit von Peter Bosz in Leverkusen entscheiden wird.
Ich habe mich hier bewusst fast ausschließlich auf die Bundesliga konzentriert. Unter seiner Leitung spielten wir erst drei Pokalspiele (da könnte man auch noch über Heidenheim sprechen). Allerdings halte ich drei Spiele für zu wenig, um mir hier ein Urteil zu erlauben. Über die zwei Spiele in der Europa League sowie die Sechs in der Champions League kann man sehr wohl noch ein Wort verlieren. Krasnodar und Moskau 1 waren Mist. Da gibt es keine zwei Meinungen. Gegen Juventus steht zwar in Summe ein 0:5, aber drei Tore fielen sehr spät, und zeugen davon, dass man über weite Teile mithalten konnte. In Madrid war es ebenfalls ein, über weite Teile guter Auftritt, bei dem man an der Cleverness von Atletico scheiterte. Atletico 2 und Moskau 2 hingegen waren gute Auftritte, mit denen man sich die internationale Saison gerettet hat. Platz 3 in dieser Gruppe war das Mindestziel und dieses wurde einigermaßen souverän erreicht. Mit einem Heimsieg gegen Moskau wäre vielleicht noch was nach oben gegangen, aber dann wäre auch Atletico in der BayArena vermutlich anders aufgetreten. Daher: Passt schon. Noch habe ich die Hoffnung, dass wir auch mal in der Europa League etwas reißen können.
Mein Fazit: Aus seiner Dortmunder Zeit eilt Peter Bosz immer noch der Ruf nach, dass er nicht anpassungsfähig ist. Das sehe ich nicht so. Wie oben bereits angerissen, hat er reagiert und versucht die Defensive zu stabilisieren. Aus dem offensiven Powerplay mit fehlender Balance in der Defensive ist eine defensivere Grundeinstellung mit fehlender Balance in der Offensive geworden. Diese beiden Extremen zu vereinen und die richtige Balance zu finden, ist die nächste Herausforderung für Bosz. Ich bin überzeugt davon, dass er sie finden kann. Er hat jetzt Zeit sich in der Winterpause das nächste, taktische Element zu überlegen. Für eine erneute Champions League-Qualifikation werden vermutlich um die 60 Punkte nötig sein. Das bedeutet, dass wir eine 30+ Punkte-Rückrunde brauchen.
Ich glaube daran, dass wir das schaffen können, auch mit oder vielleicht sogar wegen Peter Bosz. Ich bin froh, dass er unser Trainer ist und die Trainerfrage nie so wirklich aufkam. Aber: Es muss sich spielerisch etwas ändern, sonst schlägt das Pendel auch mal schnell in die andere Richtung aus.
Super Beitrag! Ich stimme Dir da in großen Teilen zu. Dass ein Demirbay so gar nicht einschlägt und ein Havertz unter seinen Möglichkeiten bleibt, merkt man sofort bei uns. Da müssen wir in Leverkusen auch mal auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Wir haben leider nicht die Qualität einer Spitzenmannschaft, sondern sind auf die Form einzelner Spieler angewiesen.
Wir haben mit Diaby, Paulinho, Amiri, Palacios, Tah und (Bailey) aber sehr spannende Spieler, die perspektivisch internationale Klasse erreichen könnten. Man Stelle sich ein Bayer Mittelfeld mit:
Diaby --------------------------------Bailey
-----Paulinho - Palacios/ Amiri------
------------- Demirbay ------------------
Aber so eine Mannschaft muss halt auch gedeihen und über einen längeren Zeitraum mit einem Trainer arbeiten. Ich erinnere mich noch an die ersten beiden Jahre von Jürgen Klopp. Das war ein echter Krampf. Aber da ist auch etwas entstanden. Bosz traue ich tatsächlich zu Bayer eine neue Identität zu geben. Ähnlich wie Van Gaal das Positionsspiel bei Bayern etabliert hat. Gibt diesem Trainer Zeit und die notwendigen Mittel und wir werden noch richtig Spaß haben.
25.12.2019 - 14:24 Uhr
Was mir gerade etwas Sorgen macht, wofür ich aber noch keine Erklärung habe, warum sind uns bisher nach der Pause erst 8 Tore gelungen? Klar, wir haben in Halbzeit zwei oft das Ding nicht reinbekommen (Gladbach, Hoffe, Freiburg) oder die Mannschaften nicht abgeschossen, aber da sieht man, dass, anders als gegen Mainz, scheinbar nicht genug Risiko gegangen wird bzw. nachgelegt wird. Und das obwohl wir eigentlich immer frische Offensivkräfte bringen können. Das sollte besser aussehen.
26.12.2019 - 14:08 Uhr
Würde mir einfach wünschen das er Druck macht , damit wir ein neuen IV holen.
26.12.2019 - 14:48 Uhr
Zitat von Lucio1904
Würde mir einfach wünschen das er Druck macht , damit wir ein neuen IV holen.
Würde mir einfach wünschen das er Druck macht , damit wir ein neuen IV holen.
Bevor wir neue IV holen, sollten wir erst neue Außenverteidiger holen.
Bin mir aber ziemlich sicher, dass Bosz insofern Druck macht, dass wir ordentlich mehr investieren werden. Bosz will einen Kader nach seinen Vorstellungen. Den soll er auch bekommen.
26.12.2019 - 16:29 Uhr
Zitat von Evilhorst
Bevor wir neue IV holen, sollten wir erst neue Außenverteidiger holen.
Bin mir aber ziemlich sicher, dass Bosz insofern Druck macht, dass wir ordentlich mehr investieren werden. Bosz will einen Kader nach seinen Vorstellungen. Den soll er auch bekommen.
Bevor wir neue IV holen, sollten wir erst neue Außenverteidiger holen.
Bin mir aber ziemlich sicher, dass Bosz insofern Druck macht, dass wir ordentlich mehr investieren werden. Bosz will einen Kader nach seinen Vorstellungen. Den soll er auch bekommen.
Nach Sinkgraven sehe ich eigentlich keinen Bedarf aus Bosz‘ Sicht. Der wirkt mir nicht unzufrieden mit Weiser/Bender. Sinkgraven war sein Wunsch. Wendell hat halt einen kurzer Vertrag, da ist die Frage was passieren soll. In der IV hat er eher gemeckert. Da sehe ich auch Bedarf
28.12.2019 - 17:50 Uhr
Finde es spannend, das hier vor allem die Defensive als Problemzone angesehen wird. Ein Blick auf die Torstatistik und der Vergleich zu anderen Teams zeigt ja eher, das es in der Offensive drückt. Nicht falsch verstehen, ich sehe in Manni, Tah und Drago auch keine Weltklasse - aber kann mich an keine richtige Klatsche (Dortmund ausgenommen) erinnern. Erinnern kann ich mich allerdings an massig viele Spiele, in denen wir trotz drückender Überlegenheit die Buden nicht machen und dann uns die Butter vom Brot nehmen lassen oder nur Unentschieden spielen (Freiburg!!!1!).
Klar kann man sich jetzt über die Defensive Gedanken machen, aber wenn man den Finger wirklich in die Wunde legen will, dann muss man sich die Offensive angucken, meiner Meinung nach. So viel Potenzial - so wenig Ertrag. Da sehe ich das Hauptproblem für Bosz. Da muss er ran. Und ob allein ein Weggang von Brandt das erklärt, wage ich auch zu bezweifeln. Und ob ein Palacios uns direkt weiterhilft ebenfalls. Meiner Meinung ist das vorhandene Personal gut genug für einen CL Platz.
Klar kann man sich jetzt über die Defensive Gedanken machen, aber wenn man den Finger wirklich in die Wunde legen will, dann muss man sich die Offensive angucken, meiner Meinung nach. So viel Potenzial - so wenig Ertrag. Da sehe ich das Hauptproblem für Bosz. Da muss er ran. Und ob allein ein Weggang von Brandt das erklärt, wage ich auch zu bezweifeln. Und ob ein Palacios uns direkt weiterhilft ebenfalls. Meiner Meinung ist das vorhandene Personal gut genug für einen CL Platz.
28.12.2019 - 20:19 Uhr
Wäre das eigentlich ein Novum das ein Trainer seinen Vertrag nicht verlängert und damit den Verein verlassen kann? .
Ich kenne einige Beispiele wo Trainer aus Verträgen entlassen wurden um woanders anzufangen , das ein Trainer mit dem prinzipiell Verlängert werden soll geht weil der Vertrag ausläuft wäre mir neu ?.
Nicht das Ich irgendwelche Infos hätte oä aber das hat mich eben interessiert.
Ich kenne einige Beispiele wo Trainer aus Verträgen entlassen wurden um woanders anzufangen , das ein Trainer mit dem prinzipiell Verlängert werden soll geht weil der Vertrag ausläuft wäre mir neu ?.
Nicht das Ich irgendwelche Infos hätte oä aber das hat mich eben interessiert.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Vlatkoni am 28.12.2019 um 20:22 Uhr bearbeitet
28.12.2019 - 20:23 Uhr
Zitat von Vlatkoni
Wäre das eigentlich ein Novum das ein Trainer seinen Vertrag nicht verlängert und damit den Verein verlassen kann? .
Ich kenne einige Beispiele wo Trainer aus Verträgen entlassen wurden aber das ein Trainer mit dem Verlängert werden soll geht weil der Vertrag endet wäre mir neu.
Nicht das Ich irgendwelche Infos hätte oä aber das hat mich eben interessiert.
Wäre das eigentlich ein Novum das ein Trainer seinen Vertrag nicht verlängert und damit den Verein verlassen kann? .
Ich kenne einige Beispiele wo Trainer aus Verträgen entlassen wurden aber das ein Trainer mit dem Verlängert werden soll geht weil der Vertrag endet wäre mir neu.
Nicht das Ich irgendwelche Infos hätte oä aber das hat mich eben interessiert.
Bruno Labbadia letzte Saison in Wolfsburg.
28.12.2019 - 20:54 Uhr
Heynckes hat bei uns auch den Vetrag auslaufen lassen ,Giardiola in München auch.
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