DFB und DFB-Teams

Länderspiele in den Medien

10.10.2010 - 14:12 Uhr
Der Thread für's mediale Drumherum; die Plauderecke über Olli Kahns Besuche bei Miss Reichsparteitag, Pressekonferenzen zur Vorstellung neuer Niveaprodukte, oder Kurzreferate des Experten Bierhoff über die Zukunft der Atomkraft.
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Länderspiele in den Medien |#1
11.10.2010 - 11:40 Uhr
Ich finde diese absurd schlechte ZDF-Berichterstattung ganz gut als Realitätscheck. Im Prinzip beurteilt Olli Kahn (dabei vollkommen assisitiert von Müller-Hohenstein) die Spiele aus einer Sichtweise, bei der die deutschen Spieler Wörns, Rehmer und Ramelow heißen. Olli am Samstag: Ich bin mir nicht sicher, ob Özil das so gewollt hat (beim Abschluss zum 2:0) ... erm, Olli, ich bin mir sicher, dass er das _exakt_ so gewollt hat.

Man kann sich an solchen Details klarmachen, wie viel sich getan hat seit Anfang der 90er (als Olli fußballerisch sozialisiert wurde) und noch seit Anfang der 2000er Jahre (als Olli seine große Zeit hatte), in der Mannschaft, in der Bundesliag und im deutschen Fußball insgesamt; zum Beispiel, dass diese Stallgeruch-Ex-Nationalspieler mit diesem tradierten Fußballverständnis eben in der gesamten ersten Liga nahezu ausgestorben sind (Wie viele DFB-Nationalspieler der letzten 20 Jahre sind eigentlich aktuell in der Liga aktiv? Frontzeck, Völler, und das wars, oder hab ich wen vergessen?) und durch Typen ersetzt wurden, die man viel eher als echte Fußball-Lehrer bezeichnen könnte; und die einfach deswegen eingestellt werden, weil der Markt es so verlangt.

Man kann sich auch noch mal klarmachen, dass alles hätte anders ausgehen können, auch für den DFB. Völler als Experte hat des öfteren eine ähnliche Vorbereitung auf Expertentermine gezeigt wie Kahn am Samstag; wenn er 2004 Trainer geblieben wäre, würden wir vielleicht immer noch dieselben Wehklagen über das sich selbst referenzierende System "Deutscher Fußball" im Dampfdrucktopf anstimmen.

Und man kann sich daran klarmachen, an wie wenig die Berichterstattung jeglichen Wandel des Spiels nachvollzogen hat. Betrifft auch Bela Rethy. Wie der Spannung und Krise herreden wollte, während die Deutschen das Spiel in der 2. Hälfte einfach komplett im Griff hatten und (nach meiner Meinung) die Tore zwangsläufiger Ausdruck der turmhohen Überlegenheit des DFB waren, zeigt, dass man es eben auch alles anders sehen kann - vielleicht kritischer, sicher vor allem: anders.

Witzig fand ich übrigens, wie die eingestreute interessante 3-D-Analyse in dieses Konzept reinpasste: Als wäre sie gerade vom Mars gelandet.

Klopp bei der WM hab ich nur einmal gesehen. Da war die RTL-Bühne in Dresden aufgebaut, und es wurde ein italienisches Spiel analysiert. Das Publikum pfiff, laut, dumpf und richtig aggressiv, nicht leidenschaftlich gegen den Erzrivalen, sondern nach dem Motto "Denen polieren wir die Fresse". Klopp schüttelte den Kopf nach dem Motto: Was soll das denn, Jungs.
Länderspiele in den Medien |#2
11.10.2010 - 12:03 Uhr
Zitat von Korf:
Klopp bei der WM hab ich nur einmal gesehen. Da war die RTL-Bühne in Dresden aufgebaut, und es wurde ein italienisches Spiel analysiert. Das Publikum pfiff, laut, dumpf und richtig aggressiv, nicht leidenschaftlich gegen den Erzrivalen, sondern nach dem Motto "Denen polieren wir die Fresse". Klopp schüttelte den Kopf nach dem Motto: Was soll das denn, Jungs.


Das Furchtbare am RTL-WM-Studio war ja, daß es die Beteiligten eigentlich besser gekonnt hätten, aber auf ein Niveau runtergedrosselt wurden, das nicht einmal mehr "Stammtisch" war, sondern sogar unter dem Stammtisch, und zwar spät am Freitagabend und in einer richtig üblen Spelunke, wo sich verschüttetes Bier, Glasscherben und das ein oder andere Stückchen Auswurf miteinander vermischen. Die "It.aker-Episode" (bewußt so formuliert, weil das vermutlich der Gedankengang des Großteils des anwesenden Publikums gewesen ist) ist dafür ein gutes Beispiel.

"Olli & die Milf" können es nicht besser; die Müller-Hohenstein hat offensichtlich keine Ahnung und des Titanen analytisches Talent wurde in den letzten Jahren entweder gnadenlos überschätzt oder es ist einem Oliver Kahn schlicht und einfach nicht angemessen, sich auf einen Expertenauftritt vorzubereiten. Ähnlich das RTL-WM-Studio 2006 mit Rudi Völler; eine fundierte Analyse ist von Tante Käthe grundsätzlich nicht zu erwarten, insofern ist es auch ok, wenn er mit Johann Lafer und Florian König kocht. Aber Klopp und Jauch? Die beiden hätten zumindest das Potential, eine solche Sendung interessant zu gestalten. Eine Schande, daß es inzwischen auch mit Preisen belohnt wird, wenn man sich bewußt auf völliges Laienniveau herunterreguliert. Besonders für die Gesellschaft, von der offensichtlich nicht mehr erwartet werden kann, sich ein Minimalverständnis von der Materie anzueignen, mit der man den Abend zu verbringen gedenkt. Ich frage mich, wann dieses Trash-TV auch bei Bundestagswahlen Einzug hält.

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